Pacific Rim (2013)

Regie: Guillermo del Toro
Original-Titel: Pacific Rim
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Pacific Rim


Ja, manchmal möchte man als Filmemacher eben einfach nur Aliens vermöbeln. Am besten gigantische Aliens aus einer anderen Dimension, die über den Pazifik in unsere Welt kommen. Und am besten mit überdimensionierten, vom Militär entwickelten Robotern. Man kann sich gut vorstellen, wie der kleine Guillermo del Toro so lange auf sein Transformers-Spielzeug gestarrt hat, während im Hintergrund ein Godzilla-Film gelaufen ist, bis sich allmählich die Idee zu „Pacific Rim“ (nicht zu verwechseln mit „Pacific Rimming“ – das ist ein anderes Genre) aus seinen sehnsüchtigen Blicken geformt hat. 2013 brachte er dann die Geschichte seines inneren Kindes auf die große Leinwand. Gigantische Wasseraliens. Ebenso gigantische Roboter. Und dann immer fest drauf! Mittendrin ein Charlie Hunnam, der der ganzen Film über so läuft, als müsste er dringend aufs Klo, dazu das Charisma von Idris Elba und Rinko Kikuchi, die 2006 für ihre Rolle in „Babel“, dem Film von del Toros Buddy Alejandro González Iñárritu, immerhin für einen Oscar nominiert wurde – was für ihren Auftritt in „Pacific Rim“ allerdings eine vermessene Erwartungshaltung gewesen wäre. Dazu gibt es zwei amüsante bis nervige, weil komplett überzeichnete Wissenschaftler (Charlie Day und Burn Gorman), und für die Edeloptik sorgt das Gesicht von Ron Perlman, der immer dort zu finden ist, wo es finstere Blicke zu erben gibt. Das alles hat man schon auch schlechter gesehen. Und wenn man „Pacific Rim“ als das nimmt, was es ist, nämlich einfach völlig hirnrissige Monster-Roboter-Action ohne große Story, dann ist der Film sehr unterhaltsam und sorgt für zwei kurzweilige Stunden. Dass es Guillermo del Toro besser und vor allem subtiler kann, hat er in anderen Filmen längst bewiesen. Hier wollte er halt einfach mal klotzen, und es sei ihm vergönnt.


6,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Courtesy of Warner Bros. Picture – © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Funding, LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Mars Attacks! (1996)

Regie: Tim Burton
Original-Titel: Mars Attacks!
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Science Fiction,Komödie, Satire
IMDB-Link: Mars Attacks!


Die frohe Kunde: Wir sind nicht allein im Weltall! Preiset die Marsianer, die sich herablassen zu uns Erdlingen und uns Erleuchtung bringen. Zu Ehren dieser weitgereisten Weisen gibt es den Rest meiner Rezension auf Marsianisch: Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack! Ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack ack ack ack ack ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack! Ack ack ack ack! Ack ack ack! Noch Fragen? Ja? Nein? Auf jeden Fall einfach mal Film ab und Tim Burton dabei zusehen, wie er genüsslich zu unserem größten Vergnügen seine grünen Männchen Chaos stiften lässt und fast seinen gesamten Cast wortwörtlich verpulvert. Der Cast hat es überhaupt in sich. Nicht weniger als 31 Oscar-Nominierungen für Schauspiel finden sich darunter, die prominentesten davon sicherlich Jack Nicholson, Glenn Close, Natalie Portman, Pierce Brosnan, Annette Bening, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Danny DeVito, Rod Steiger, Christina Applegate, Jack Black, Pam Grier, Martin Short und nicht zuletzt Tom Jones, der die Ehre hat, am Ende eine neue Ära einzusingen. Und was man auch noch festhalten muss: Selbst Jodeln hat seine Daseinsberechtigung. Ack ack ack!


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Drive (2011)

Regie: Nicolas Winding Refn
Original-Titel: Drive
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Thriller, Drama
IMDB-Link: Drive


Wenn man nach modernen Kultfilmen und den besten Filmen des noch relativ jungen 21. Jahrhunderts fragt, wird immer wieder auch dieser Film genannt: „Drive“ von Nicolas Winding Refn. In diesem Fall suchte sich Ryan Gosling, der die Hauptrolle des namenlosen Fahrers spielt, seinen Regisseur aus, der sich wiederum um die restliche Besetzung kümmerte. Wie ein Rädchen, das ins andere greift, ergab sich damit eine optimale Besetzung mit Carey Mulligan, Albert Brooks, Bryan Cranston, Ron Perlman und Oscar Isaac. Doch all die geballte Schauspielkraft ist nicht viel wert, wenn die Story uninteressant oder schlecht erzählt ist. „Drive“ macht aber alles richtig. „Drive“ ist ein B-Movie mit dem künstlerischen Anspruch eines Oscarfilms. Ein Actionfilm mit langsamen, fast stoischen Actionszenen. Ein Liebesfilm, der allein mit scheuen Blicken und Gesten erzählt wird und ohne Streichquartette auskommt. Ein Rachethriller, in dem weniger die Protagonisten als die Summe der Umstände zu der verfahrenen Situation führen, in der sich die Beteiligten wiederfinden. Und „Drive“ ist eine Meisterleistung von Ryan Gosling, der den ganzen Film über fast ohne Dialog und nur mit stoischer Miene auskommt und dabei seinen Protagonisten expressiver und feinfühliger vermitteln kann als das mit diesen Mitteln eigentlich möglich sein sollte. Carey Mulligan steht ihm dabei im Übrigen kaum nach, auch ihre Irene macht sie mit minimalistischen Mitteln greifbar, aber durch die Zentrierung des Films auf den schweigsamen Fahrer fällt die besondere Leistung von Gosling noch mal deutlicher auf. Dazu kommt der atmosphärisch dichte Elektropop-Soundtrack, der die Isolation der Figuren wie auch die Versuche, daraus auszubrechen, ideal untermalt und über den Film hinaus im Ohr hängenbleibt. Kurz: „Drive“ ist ein perfekter Film. Er ist handwerklich außergewöhnlich gemacht, konzentriert erzählt, überragend gespielt und trifft dabei auch noch mitten ins Herz. Einfach mal auf Youtube nach der Szene „Do you wanna see something?“ suchen, und ihr wisst, was ich meine mit dieser Perfektion in allen Details. Ein Lieblingsfilm.


10
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Malcolm & Marie (2021)

Regie: Sam Levinson
Original-Titel: Malcolm & Marie
Erscheinungsjahr: 2021
Genre: Drama
IMDB-Link: Malcolm & Marie


Wie dreht man in Zeiten von Corona einen Film? Sam Levinson hat für diese Frage die naheliegende Lösung gefunden. Er hat einfach ein geräumiges und abgelegenes Haus angemietet, Zendaya und John David Washington mit einer kleinen Crew dort hineingesetzt und wahrscheinlich allen am Dreh Beteiligten verboten, nach Tirol skifahren zu gehen. Herausgekommen ist dabei ein Zwei-Personen-Kammerstück, in dem Levinson die Beziehung seiner beiden Protagonisten nicht nur seziert, sondern sie selbst auch noch mit der Axt aufeinander losgehen lässt – natürlich nur sprichwörtlich gemeint, die tatsächliche Axt hat Stanley Kubrick ja schon Jack Nicholson in Shining in die Hand gedrückt, und Kubrick sollte man einfach nicht kopieren. Als gewaltfrei würde ich Beziehungsdrama allerdings nicht bezeichnen, denn auch Worte können ganz schön wehtun. Das Ganze entzündet sich an einer scheinbaren Kleinigkeit: Malcolm und Marie kommen gerade von der (gefeierten) Premiere von Malcolms neuem Film nach Hause, doch Marie wirkt angespannt und sichtlich angepisst: Malcolm hat sie einfach in seiner Dankesrede vergessen. In weiterer Folge baut sich auf diesem Fauxpas eine Reihe von gegenseitiger Vorhaltungen, Anschuldigungen und Beleidigungen auf, die sich merklich angestaut haben in den letzten Wochen, Monaten, Jahren. Zwischendurch finden die beiden in Gesten der Versöhnung auch wieder zueinander, aber die Stimmung bleibt angespannt und ein falsches Wort, ein falscher Blick genügt, um die nächste Runde in diesem brutalen Boxkampf der Worte einzuläuten. Und allmählich schält sich das Bild einer höchst toxischen Beziehung aus den Streitgesprächen. John David Washington und Zendaya spielen das großartig. Beide wirken sympathisch und, wenn sie austeilen, höchst unsympathisch gleichermaßen. Beide schenken sich nichts. Allerdings – und darin liegt die vielleicht größte Stärke wie Schwäche des Films gleichermaßen – findet sich zwischen den Zeilen (und auch in den Zeilen, wenn man gut hinhört) die sehr vertraute Story einer Beziehung, in der der Mann sich als Retter der Frau sieht und die Frau in dieser Beziehung klein hält. Das ist alles sehr subtil eingebaut, und man könnte diesen Punkt auch glatt übersehen. Andererseits: Der Holzhammer hätte dem Film auch nicht gut getan, und so muss Levinson mit dieser Ambivalenz leben. Das Ende ist versöhnlich wie bitter gleichermaßen. So bleibt „Malcolm & Marie“ bis zum Schluss ein Film, der Gegensätze in sich vereint, um von einem bitteren Stück Realität zu erzählen. Warum ich davon ausgerechnet am Valentinstag schreibe? Vielleicht, weil der Film ganz gut aufzeigt, wie es eben nicht sein sollte.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Catch Me If You Can (2002)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: Catch Me If You Can
Erscheinungsjahr: 2002
Genre: Biopic, Krimi
IMDB-Link: Catch Me If You Can


Leonardo DiCaprio zählt heute zu den profiliertesten Schauspielern überhaupt und wird oft in einer Reihe mit den Allzeitgrößten genannt. 2002, fünf Jahre nach seinem Megaerfolg mit „Titanic“, war seine Karriere gerade so richtig am Durchstarten. Da hatte er schon eine ganze Reihe gewichtiger und vielbeachteter Rollen auf seinem Buckel, aber die Zusammenarbeit mit den Meistern Martin Scorsese („Gangs of New York“) und Steven Spielberg (eben in „Catch Me If You Can“) hat dem weiteren Verlauf seiner Karriere sicherlich nicht geschadet, um es mal so zu formulieren. „Catch Me If You Can“ schultert er trotz seiner renommierten Nebenleute (Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Amy Adams etc.) quasi im Alleingang. Als Hochstapler Frank Abagnale Jr. macht er den großen Reibach als falscher Pilot, als falscher Arzt, als falscher Anwalt und nutzt gnadenlos die Schwächen eines Systems aus, in dem mehr Wert auf Schein als auf Sein gelegt wird. Selbst sein Widersacher Carl Hanratty (Tom Hanks), der ihm immer auf den Fersen, aber meist einen Schritt zu spät ist, hegt eine gewisse Bewunderung für den charmanten und gerissenen jungen Mann, der nicht nach den Regeln spielen will, sondern lieber seine eigenen erfindet. Wie von Spielberg gewohnt, ist die Story dynamisch und nuanciert umgesetzt mit von einer gewissen Leichtfüßigkeit getragen, die vielen seiner Filme innewohnt, jedenfalls seinen Komödien und familiengerechten Unterhaltungsfilmen. Da fallen auch die fast 2,5 Stunden Spieldauer nicht arg ins Gewicht. Allerdings: Auch wenn ich den Film mag und gerne sehe und er auch schauspielerisch über alle Zweifel erhaben ist, irgendwie hatte ich trotzdem immer das Gefühl, dass „Catch Me If You Can“ eine Art bessere Fingerübung des Meisters war. Für mich ein guter Spielberg, der bei allem Unterhaltungswert nicht ganz die Brillanz seiner besten Filme erreicht.


7,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2002 – Dreamworks LLC, Quelle http://www.imdb.com)

Spider-Man: A New Universe (2018)

Regie: Bob Persichetti, Peter Ramsay und Rodney Rothman
Original-Titel: Spider-Man: Into the Spider-Verse
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Animation
IMDB-Link: Spider-Man: Into the Spider-Verse


Ein wenig überraschend war es ja schon, dass „Spider-Man: A New Universe“ bei der Oscarverleihung 2019 die hoch gehandelte Konkurrenz von Disney („Chaos im Netz“) und Pixar („Die Unglaublichen 2“) in die Schranken weisen konnte und das Trio Bob Persichetti, Peter Ramsay und Rodney Rothman den Goldjungen mit nach Hause nehmen durften. Zumal selbst der ehemalige Viennale- und Filmmuseum-Direktor Alexander Horwath den Film mit Wohlwollen aufgenommen hat – und dessen Geschmack überschneidet sich nur gelegentlich mit jenem der Academy, wie schon in unzähligen Oscarnacht-Moderationen bewiesen. Aber gut, „Spider-Man: A New Universe“ war für die Academy der beste Animationsfilm des Jahres 2018. Und diese Einschätzung kann ich auch gut nachvollziehen, wenngleich mein haushoher Favorit Wes Andersons Meisterwerk Isle of Dogs gewesen wäre. Aber „Spider-Man: A New Universe“ ist ein klug gemachter, origineller Croudpleaser. Klug gemacht und originell deshalb, weil er es als vielleicht erster breitenwirksamer Animationsfilm verstanden hat, das Medium Comic auf das Medium Film zu übertragen, ohne zu deutliche Kompromisse eingehen zu müssen. Und ein Croudpleaser war er allein schon wegen seines Themas: Alle lieben Spider-Man, die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft. Und dazu kommt, dass die Story mit Blick auf Diversität und Inklusion umgesetzt ist, ohne das aber dick auftragen zu müssen. Miles Morales ist einfach ein sympathischer Teenager, der meist das Richtige will, aber gelegentlich halt auch mal das Falsche macht. Witzig wird es vor allem ab dem Zeitpunkt, an dem er unerwartete Unterstützung aus parallelen Universen bekommt. Die Action ist temporeich umgesetzt, der Film höchst unterhaltsam, und ich reihe mich ein in die Riege jener, die schon gespannt auf die Fortsetzung warten – mit der leichten Sorge, dass diese fast zwangsweise nicht mehr die Originalität des ersten Films erreichen kann. Aber lassen wir uns überraschen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Nie wieder Sex mit der Ex (2008)

Regie: Nicholas Stoller
Original-Titel: Forgetting Sarah Marshall
Erscheinungsjahr: 2008
Genre: Rom-Com
IMDB-Link: Forgetting Sarah Marshall


Ja, ich weiß, ich wiederhole mich, diesen Kritikpunkt habe ich schon öfter geäußert, aber was raus muss, muss raus: Deutsche Titel für englischsprachige Filme sind manchmal so unglaublich daneben, dass einem glatt ein guter Film entgehen könnte, wenn man ihn nur nach der verhatschten Übersetzung einordnen würde. „Nie wieder Sex mit der Ex“, im englischsprachigen Original einfach „Forgetting Sarah Marshall“, ist so ein Fall. Ein grundsympathischer, witziger Film mit einer charmanten Besetzung (Jason Segel und Mila Kunis und in Nebenrollen u.a. Kristen Bell, Russell Brand, Bill Hader, Jonah Hill und Paul Rudd), einer Story, die zwar ein exotisches Setting (Hawaii) ermöglicht, das das mitteleuropäische Publikum im Lockdown träumen lässt, aber dennoch so geerdet ist, dass jedermann und jederfrau mitfühlen kann – und am Ende noch eine der besten Musical-Einlagen aller Zeiten. Und warum habe ich den Film erst jetzt gesehen im biblischen Alter von 38 Jahren? Eben wegen des verhatschten Titels, der mich eher an halbgare Schmuddelklamotten a la „Eis am Stil“ denken hat lassen. Aber wenn man sich darauf einlässt und vom Titel nicht abschrecken lässt, erhält man einen wirklich unterhaltsamen Film über das Verarbeiten einer gescheiterten Beziehung, was umso schwerer fällt, wenn die Angebetete a) eine erfolgreiche Schauspielerin und dementsprechend häufig im Fernsehen ist und man b) seinen Schmerz ausgerechnet in jenem Urlaubsressort zu verarbeiten gedenkt, in dem sich die Ex mit ihrem neuen Lover vergnügt. Da braucht es dann schon ein Kaliber a la Mila Kunis, um wieder auf andere Gedanken zu kommen. Ja, der Film ist recht formelhaft gehalten, er erfindet das Genre keineswegs neu, aber das muss er auch nicht. Er passt schon so, wie er ist. Und jetzt will ich nach Hawaii.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2008 – Universal Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Independence Day (1996)

Regie: Roland Emmerich
Original-Titel: Independence Day
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Science Fiction, Action
IMDB-Link: Independence Day


Der erste Film, den ich zweimal im Kino gesehen habe, war Roland Emmerichs Science Fiction-Kracher „Independence Day“, der sogar in die Liste der 1001 Filme, die man gesehen haben sollte, bevor das Leben vorbei ist, geschafft hat. Ein saucooler Will Smith, der den Aliens mit lässigen Sprüchen eine reinbetoniert, ein sympathischer Bill Pullman, der als US-Präsident selbst in den Kampfflieger steigt, um den bösen Aliens, die die Erde auslöschen wollen, in den Hintern zu treten, Jeff Goldblum als verhuschter Wissenschaftler (wie immer), Randy Quaid als dauerbesoffener Agrarpilot, der noch mal einen Sinn in seinem Leben findet, Margaret Colin als Pressesprecherin mit Nerven aus Drahtseilen, Vivica A. Fox als toughe Stripperin und Mutter mit einem bewundernswerten Überlebenswillen, Judd Hirsch als besorgter Vater und White House-Fanboy – ganz ehrlich: Der Film ist ein einziges Klischee! Allerdings macht er auch 25 Jahre später noch Laune. Die Effekte sehen gar nicht mal so übel aus, die Story ist immer noch spannend erzählt, auch wenn aus jeder Ecke des Bildschirms US-amerikanischer Militärpathos tropft, die Charaktere mögen zwar eindimensional und stereotypisch gezeichnet sein, werden aber von den Schauspielerinnen und Schauspielern mit sichtlicher Lust und grundsympathisch dargestellt, und wer freut sich nicht diebisch, wenn Will Smith dem aufsässigen Alien, das all seine Freunde vom Himmel geschossen hat, per waghalsigem Manöver zu einer Bruchlandung zwingt und ihn mit einem launigen „Willkommen auf der Erde!“ eine Betonwatschen verpasst, bei der selbst Bud Spencer interessiert hingeguckt hätte? Mit Sicherheit auch heute noch einer von Emmerichs besten Filmen – was jetzt per se nicht unbedingt viel heißt, aber es ist schon okay, dass „Independence Day“ so erfolgreich war und auch heute noch seine Fans hat.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Fack ju Göhte (2013)

Regie: Bora Dagtekin
Original-Titel: Fack ju Göhte
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Komödie, Rom-Com
IMDB-Link: Fack ju Göhte


Heute handele ich mir mal wieder Schelte ein. Ich bin auf Krawall gebürstet und im Begriff, einen viel geliebten Film in der Luft zu zerreißen. Ich bin ja froh, dass meine Zukünftige schon Ja gesagt hat, denn sie mag den Film wirklich sehr, aber als Kürbis muss man unbestechlich sein, auch wenn dann der Haussegen ein wenig schief hängt. (An dieser Stelle: Schatz, hüstel, ich liebe dich, ich mach’s wieder gut – was hältst du von einer Bestellung von asiatischem Essen heute Abend?) „Fack ju Göhte“ vereint jedenfalls alles, was ich an modernen deutschen Komödien nicht mag: Anzügliche und schlüpfrige Witzchen, die dann doch wiederum nur unterstreichen, wie erzkonservativ man in der Bundesrepublik zuweilen ist, wenn man es als lustig und erfrischend empfindet, wenn die brave Lehrerin in ihrem Cocktail eine Banane in Penisform vorfindet, dazu kommen noch schlechtes Schauspiel durch die Bank, unglaubwürdig und übertrieben agierende Charaktere, ein Frauenbild, das ich lieber komplett unkommentiert lasse (Wer hat das Drehbuch geschrieben? Friedrich Merz?) und Gags, die man in den 60er Jahren in den Filmen von Peter Alexander schon lustiger gesehen hat, und der konnte auch noch singen. Die Story: Ein Ex-Knacki (Elyas M’Barek) versucht, an eine unter der neuen Turnhalle seiner alten Schule vergrabene Beute heranzukommen und gibt sich zu diesem Zweck als Lehrer aus, woraufhin er prompt die am schlimmsten verrufene Klasse der ganzen Schule zugeteilt bekommt. Damit erregt er das Interesse einer verklemmten Lehrerin (Karoline Herfurth), die jedoch von seinen pädagogischen Methoden wenig überzeugt ist und ihn zu einem besseren Lehrer machen möchte. Das Ganze wird dann überraschungsfrei und mit den schon erwähnten anzüglichen Gags abgespult. M’Barek und Herfurth wirken immerhin noch sympathisch, aber definitiv fehlbesetzt in ihren Rollen. Aber fangen wir lieber erst gar nicht an von Fehlbesetzungen, denn sonst müsste ich jetzt die ganze Besetzungsliste runterrattern. Ich bleibe bei meinem Fazit: Ich und die moderne deutsche Komödie? Das geht einfach nicht zusammen. „Fack ju Göhte“ ändert daran leider nichts. Dann lieber die xte Wiederholung von „Hurra, die Schule brennt“.

Bleibt nur noch: Was darf ich dir denn bestellen, mein Schatz? Wieder die guten Shrimps? Und ja, die Couch ist wirklich sehr gemütlich, ich habe kein Problem damit, heute darauf zu schlafen …


3,0
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: © 2013 – Constantin Film, Quelle http://www.imdb.com)

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (2013)

Regie: Steven Soderbergh
Original-Titel: Side Effects
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Thriller, Krimi
IMDB-Link: Side Effects


Was wären wir alle ohne den Wundern, die die Pharmaindustrie bewirkt? Doch manchmal scheint man sich auch dort in den milliardenschweren Konzernen, die eigentlich eh unter permanenter Beobachtung stehen und sich keine Fehler erlauben dürfen, kräftig zu verhauen. Traue niemals etwas, das als „Wundermittel“ angepriesen wird. Diesen Rat hätte sich Psychiater Jonathan (Jude Law, sehr judelawig, was aber nicht negativ gemeint ist) besser zu Herzen nehmen sollen. Aber stattdessen verschreibt er seiner Patientin Emily (Rooney Mara, mit einer nuancierten Darstellung wie von ihr gewohnt) das neue Antidepressivum Ablixa, und das zeigt schon bald ungewollte Nebenwirkungen in Form eines toten Ehemannes (Channing Tatum, der tatsächlich nicht viel zu tun hat in diesem Film). Emily landet vor Gericht, und Jonathan ist schwer damit beschäftigt, sie aus dem Schlamassel, an dem er nicht unbeteiligt ist, wieder herauszuhauen. Doch wie von Soderbergh gewohnt, bleibt es nicht bei dieser straighten Geschichte, sondern das Drama verzweigt sich immer mehr und bald schon scheint sich Jonathan in diesem Winkelspiel zu verlieren. Der Auftritt von Emilys ehemaliger Psychiaterin Victoria (Catherine Zeta-Jones) macht die Sache auch nicht durchsichtiger. (An dieser Stelle ein kleiner Schritt zur Seite, denn was raus muss, muss raus: Ich kann’s immer noch nicht ganz fassen, dass Catherine Zeta-Jones Oscarpreisträgerin ist. Denn eigentlich spielt Catherine Zeta-Jones immer Catherine Zeta-Jones, und ja, ich schaue ihr dabei gerne zu, sie macht das auf ihre Weise sehr gut, aber ihr wenig subtiles Schauspiel in „Side Effects“ ist im Grunde ein einziger Spoiler, was vor allem neben den sehr guten Darstellungen von Law und Mara ins Auge fällt.) Aber gut, Zeta-Jones hin oder her, Steven Soderbergh hat die Zügel routiniert in der Hand und führt uns so durch einen guten, wenngleich nicht herausragenden Thriller, der vielleicht ein oder zwei Kapriolen zu viel schlägt und so gegen Ende hin ein bisschen den Fokus verliert. Der Weg dahin ist aber sehr sehenswert und lädt zum Miträtseln ein.


6,5
von 10 Kürbissen

(Bildzitat: Photo by Eric Liebowitz – © 2013 – Open Road Films Quelle http://www.imdb.com)