Der Spinnenkopf (2022)

Regie: Joseph Kosinski
Original-Titel: Spiderhead
Erscheinungsjahr: 2022
Genre: Thriller, Drama, Action, Science Fiction
IMDB-Link: Spiderhead


Chris Hemsworth als Thor ist der absolute Hammer. Als nerdiger Wissenschaftler, der Strafgefangenen in einer Versuchsanordnung Substanzen spritzt, die Emotionen wecken sollen, eher nicht so. Aber das ist nicht mal das Hauptproblem der Netflix-Eigenproduktion „Der Spinnenkopf“ unter der Regie von Joseph Kosinski. Denn an sich wäre die Prämisse brauchbar und geeignet, einen spannenden Film, der moralische Fragen aufwirft, zu produzieren. Aber: Der Film weiß nicht, was er sein möchte. Schwarzhumoriges Kammerspiel? Action mit Science Fiction-Elementen? Eine düstere Romanze? Oder eben doch der erhobene Zeigefinger? Ein bisschen was ist von allem dabei, und wie so oft: Mehr bedeutet nicht immer mehr. Am ehesten zieht der Film seine Substanz noch aus dem Kammerspiel, doch reizt er dessen Möglichkeiten nicht weit genug aus, um interessant zu sein. Und dann wäre da eben noch besagter Chris Hemsworth, der gerne möchte, aber nicht kann. Und daneben Miles Teller, der vielleicht könnte, aber zufrieden damit ist, seinen Stiefel runterzuspielen. Die Gage bei Netflix wird schon stimmen. Ein Terence Fletcher hätte ihm angesichts der laxen Einstellung schon was auf die Mütze gegeben, aber wo sind die unerbittlichen Musiklehrer, wenn man sie mal braucht? Der weibliche Cast? Größtenteils als optischer Aufputz gedacht, was den Film nicht sympathischer macht. Egal, die Click-Zahlen bei Netflix stimmen ja trotzdem. Irgendwie sind wir ja selbst daran schuld, dass wir seit einiger Zeit so viel Mist auf dem Streaming-Dienst angeboten bekommen. Der Kunde zahlt ja eh.


3,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen (2009)

Regie: Phil Lord und Chris Miller
Original-Titel: Cloudy with a Chance of Meatballs
Erscheinungsjahr: 2009
Genre: Animation
IMDB-Link: Cloudy with a Chance of Meatballs


Phil Lord und Chris Miller haben schon ihre eigene Sicht auf die Dinge. In ihren Animationswelten geht es immer besonders bunt und hektisch zu – nachzusehen in ihrem unerwarteten Meisterwerkt „The LEGO Movie“, aber auch in The Mitchells vs. The Machines, bei denen sie als Produzenten an Board waren. Nirgends geht es aber bunter zu als in „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, in der ein junger, enthusiastischer und von seinem Vater komplett missverstandener Wissenschaftler nach einer Lösung sucht, um mehr Geschmack in das Leben seiner Insel zu bringen, die außer Sardinen nichts kennt. Nach langer Forschung dann der Durchbruch: Eine Maschine, die aus Wasser geschmackhafte Speisen nach Wahl machen kann. Ein kleiner Unfall, und schon regnet es Burger vom Himmel. Das Himmelsgeschenk verändert das Leben aller auf der Insel und weckt auch das Interesse einer ambitionierten jungen Journalistin, die eigentlich nur übers Wetter berichten soll. Was außerordentlich schön ist an „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“, das ist, das der Film seine Figuren und ihre Motivation ernst nimmt. Sei, wer du bist, könnte die Botschaft des Films zusammengefasst lauten, und das ist schon mal nicht schlecht. Aber auch die Animationen selbst überzeugen. Man bekommt richtig Appetit, wenn man durch die fantasievollen Essenslandschaften wandert, die der junge Flint mit seiner Maschine erzeugt. Gelegentliche Leerstellen verhindern eine noch höhere Bewertung, doch ist „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ ein schöner Animationsfilm, der sein Herz am richtigen Fleck trägt.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Ferris macht blau (1986)

Regie: John Hughes
Original-Titel: Ferris Bueller’s Day Off
Erscheinungsjahr: 1986
Genre: Komödie
IMDB-Link: Ferris Bueller’s Day Off


So, genug gefaulenzt. Die Hochzeit war wunderschön, die Hochzeitsreise auch, die Kisten für den Umzug sind gepackt, also gibt es keine Ausreden mehr, warum ich hier nicht wieder aktiv werden sollte. Ich bin halt kein Ferris Bueller. Dem gehen nämlich die Ausreden nie aus, und ein Faulenzer vor dem Herrn ist der junge Mann, gespielt von Matthew Broderick, ebenfalls. Da werden die ahnungslosen Eltern mit der Grippe-Nummer getäuscht, nur damit man mit der Freundin (Mia Sara) und dem besten Freund (Alan Ruck) im geborgten Sportwagen in die große Stadt düsen und das Dolce Far Niente genießen kann. Und klar, das macht mehr Spaß als die Schule. Nur das Schwesterchen (Jennifer Grey, mit Originalnase) und der misstrauische Schuldirektor (Jeffrey Jones) wittern den Braten und versuchen, Ferris auf die Schliche zu kommen. Doch der ist immer einen Schritt voraus. Der Plot von „Ferris macht blau“ macht zugegebenermaßen nicht viel her. Doch was Teenage-Komödien-Meister John Hughes aus dem Stoff zaubert, ist ganz großes Kino. Einerseits bedient sich der Film natürlich allen Was-wäre-wenn-Fantasien aller Schüler auf der ganzen Welt. Was wäre, wenn man sich einfach so für einen Tag aus der Schule schleichen könnte und dazu noch eine so hübsche Freundin wie Mia Sara und so einen netten besten Freund wie Alan Ruck an seiner Seite wüsste? Was wäre, wenn man einmal im Leben mit so einem schicken Sportwagen durch die Stadt cruisen könnte? Was wäre, wenn plötzlich auf der Straße alle zu deinem persönlichen Soundtrack zu tanzen beginnen (meiner Meinung nach die großartigste Szene des ganzen Films und der unumstrittene Höhepunkt). Vielleicht ist dieses wundersame Spiel mit dem Was-wäre-wenn genau der Grund dafür, dass „Ferris macht blau“ auch heute noch Kultstatus genießt und bei jeder Sichtung großen Spaß macht. Es ist dieses unbeschwerte Leben, das wir uns alle wünschen, und auch wenn sich Ferris das mit diversen Tricks erarbeiten muss, so ist er doch der Typ, dem alles zufliegt, und, ganz ehrlich, wenigstens einmal während unserer Schulzeit wären wir doch alle gerne dieser Typ gewesen.


9,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1986 – Paramount Pictures, Quelle http://www.imdb.com)

Lebt denn der alte Holzmichl noch?

Aufmerksame Leser:innen dieses Blogs werden festgestellt haben, dass es hier in der letzten Zeit nichts zu lesen gab. Ich bin mal so egozentriert und gehe davon aus, dass sich mancher vielleicht die Frage gestellt hat: Gibt es den Filmkürbis überhaupt noch, oder geht dieser Blog sang- und klanglos in die ewigen Jagdgründe des Internets ein? Jenen kann ich aber Entwarnung geben mit einem Zitat von John Lennon: „Life is what happens while you’re busy making other plans.“ Und so sind im Real Life gerade eben andere, größere Prioritäten gesetzt als das Füttern dieses Blogs mit Content. Die freudige Nachricht: In etwas mehr als einer Woche, am 11.6. nämlich, heiratet der Kürbis eures Vertrauens und verbindet sich mit einer wunderhübschen Zucchini zu einer g’schmackigen Gemüsepfanne. Gleichzeitig ist auch ein großer Umzug geplant. Das heißt, Kisten wollen gepackt werden, Katzen auch, und man verflucht sich jeden Tag ein bisserl dafür, so ein arger Sammler zu sein mit Blick auf die ca. 1.000 Bücher und je 500 CDs, DVDs und Weinflaschen (man ist nämlich nicht nur Sammler, sondern auch Säufer). Wenn das alles dann zur Zufriedenheit aller Beteiligten erledigt ist, wird es hier auch wieder regelmäßige Film-Reviews geben. Versprochen! Bis dahin bleibt gesund und geht mal raus an die frische Luft! Wir lesen uns.

Argo (2012)

Regie: Ben Affleck
Original-Titel: Argo
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Historienfilm, Thriller
IMDB-Link: Argo


Oscar-Verleihung 2013. Das war jene Preisverleihung, als Jennifer Lawrence der grandiosen Emmanuelle Riva den Oscar wegschnappte, Haneke aber immerhin bei fünf Nominierungen, darunter für die beste Regie, das beste Drehbuch und den besten Film, den Hauptpreis für den besten fremdsprachigen Film nach Hause nehmen konnte, sich jedermann und jedefrau fragte, wie es passieren konnte, dass Ben Affleck nicht für die beste Regie nominiert war und am Ende doch „Argo“ als bester Film triumphierte. Die besten Geschichten schreibt das Leben – und wenn eine solche Geschichte auch noch so gekonnt und spannend inszeniert wird wie „Argo“ von Ben Affleck, dann passt das schon mit dem großen Hauptpreis für diesen Politthriller. Die Geschichte: 1979 strandeten nach der Islamischen Revolution im Iran einige US-amerikanische Botschaftsangehörige in der Botschaft von Kanada, wo sie versteckt gehalten wurden. Alle anderen Botschaftsmitarbeiter:innen wurden vom Iran als Geiseln gehalten. Die Frage war nun, wie kriegt man die in der kanadischen Botschaft Versteckten aus dem Land, ohne dass sie als Botschaftsangehörige enttarnt werden, denn das hätte eine sofortige weitere Geiselnahme oder noch Schlimmeres für die Betroffenen zur Folge gehabt. Dem von Affleck gespielte CIA-Mitarbeiter Tony Mendez kommt schließlich die zündende Idee: Die Amerikaner sollen sich als Produzenten eines Hollywood-Films auf Location-Suche ausgeben. Und damit die misstrauischen Iraner auch wirklich keinen Verdacht schöpfen, muss der fiktive Film so authentisch wie möglich wirken. Was nach einer absurden Verwechslungskomödie klingt, wurde von Affleck als rasiermesserscharfer und realistischer Thriller realisiert. Das Tempo ist gemächlich, doch gerade dadurch baut sich die Spannung auf bis zum großen Finale. „Argo“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass Affleck seine persönlichen Höchstleistungen vielleicht nicht als Mime erreicht, sehr wohl aber als Regisseur mit einem guten Gespür für Spannungsaufbau und realitätsnahe Inszenierungen.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Foto von Courtesy Warner Bros. Entertainment – © 2012 Warner Bros. Entertainment Inc, Quelle http://www.imdb.com)

Eine schreckliche Nacht (1896)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Une nuit terrible
Erscheinungsjahr: 1896
Genre: Kurzfilm, Komödie, Horror
IMDB-Link: Une nuit terrible


Das ist der Albtraum aller Insektenphobiker: Man legt sich gemütlich zur Nachtruhe und da krabbelt plötzlich etwas die Decke entlang. Dieses Etwas entpuppt sich als überdimensionaler Käfer. Wenn ich an meine Freundin denke, dann wäre in einem solchen Fall ein Schrei zu erwarten, der die Katzen an die Zimmerdecke fliegen und in ganz Simmering die Lichter angehen lässt. Ob der im Schlaf Gestörte in diesem Frühwerk Georges Méliès‘ ebenfalls panisch aufschreit, lässt sich nicht sagen – der Tonfilm kam erst Jahrzehnte später. Jedenfalls geht der Mann aber energisch auf Insektenjagd und schlägt den ungebetenen Bettgenossen platt. „Eine schreckliche Nacht“ aus dem Jahr 1896 ist einer der frühesten Filme von Georges Méliès. Filmhistorisch damit hochgradig interessant und auch relevant. Der krabbelnde Käfer stellt eine Meisterleistung dar – Méliès nutzte den von ihm entwickelten Stopptrick, um ihn lebensecht krabbeln zu lassen. Klar, es gibt spannendere und auch bessere Filme von Méliès, aber für einen solch frühen Film ist „Eine schreckliche Nacht“ schon erstaunlich.


5,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Fight Club (1999)

Regie: David Fincher
Original-Titel: Fight Club
Erscheinungsjahr: 1999
Genre: Thriller, Drama
IMDB-Link: Fight Club


Die erste Regel des Fight Clubs: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club! Die zweite Regel des Fight Clubs: Ihr verliert kein Wort über den Fight Club!

Daher ein Rezept für 2 kg Seife. Ihr braucht:
650 g Kokosfett
650 g Sonnenblumenöl
650 g klares Olivenöl
290 g Natronhydroxid
1 Liter Mineralwasser

Zubereitung:
Schutzbrille und Schutzhandschuhe anziehen.
Zuerst das Kokosfett in einen Topf geben und zusammen mit dem restlichen Öl auf 35°C – 36,5°C erwärmen.
Parallel dazu die Natronhydroxid in einem Frischhaltebeutel abwiegen. Dieser wird am Schluss entsorgt.
Das Wasser in einen ausreichen großen Plastikeimer geben.
Anschließend das Natronhydroxid in mehreren kleinen Mengen nacheinander in das Wasser geben, um Laugenwasser/Natronlauge zu erhalten. (Achtung: Keinesfalls anders herum zusammenschütten!) Der erste Schwung Wasser, der mit dem Natronhydroxid in Berührung kommt, würde auf einen Schlag sehr stark erhitzen und heftig verdampfen. Ein Hinweis: Bei Zugabe des Pulvers in das Wasser erhitzt dieses sich schnell und stark. Dabei kann es überkochen (-> daher der große Behälter) und Dampf entwickeln. Macht diesen Arbeitsschritt also nach Möglichkeit unter freiem Himmel (Balkon oder Terrasse) oder zumindest bei offenem Fenster und steht nicht direkt über dem Behälter. Schutzbrille und Handschuhe ebenfalls nicht vergessen.
Nun kommt der komplizierteste Schritt: Sowohl das Öl als auch das Laugenwasser müssen sehr genau auf 35-36°C erwärmt bzw. abgekühlt werden. Arbeitet zum gezielten Abkühlen am besten mit einem kalten Wasserbad. Passt die Temperatur beim Zusammenschütten nicht, klappt die Verseifung nicht. Wenn die Temperatur stimmt, das Laugenwasser in das Öl geben und ununterbrochen rühren, bis die Mischung dickflüssig wird und sich “eine Spur bildet”. Das kann nach ein paar Minuten schon passieren, kann aber auch mal eine dreiviertel Stunde dauern. Hat man eine übrig, kann man auch eine alte Küchenmaschine mit Knethaken auf niedrigster Stufe nutzen.
Abschließend gebt ihr die Rohseife in eine eingefettete oder mit Backpapier ausgelegte Form zum Erhärten. Achtung: Zu diesem Zeitpunkt ist die Rohseife ebenfalls noch ätzend! Die Rohseife dann mit einem Karton als Deckel und eingewickelt in ein paar Handtücher einen bis drei Tage an einem ruhigen und kühlen Ort und außerhalb des Zugriffs von Kindern und Haustieren stehen lassen. Die Handtücher werden benötigt, damit die Seife ihre Wärme langsam und gleichmäßig abgibt, was sich positiv auf Aussehen und Struktur auswirkt.
Mit bestem Dank an Habe ich selbstgemacht – Foodblog München.


9,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der 13. (2016)

Regie: Ava DuVernay
Original-Titel: 13th
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: 13th


„Weder Sklaverei noch Zwangsdienstbarkeit darf, außer als Strafe für ein Verbrechen, dessen die betreffende Person in einem ordentlichen Verfahren für schuldig befunden worden ist, in den Vereinigten Staaten oder in irgendeinem Gebiet unter ihrer Gesetzeshoheit bestehen.“ So lautet der 13. Zusatzartikel der US-amerikanischen Verfassung, auf die man im land of the free besonders stolz ist. Mit diesem Zusatzartikel wurde de jure die Sklaverei in den USA abgeschafft. Wie bei fast allen Gesetzestexten steckt der Teufel im Detail, nämlich im Zwischensatz „außer als Strafe für ein Verbrechen“. Heißt: Wer eingebuchtet ist, kann zum Zwangsdienst verdonnert werden. Eh nicht schlecht, denkt man sich, denn wer etwas ausgefressen hat, darf dafür gerne Buße tun. Jetzt gibt es aber in diesem Konstrukt einen gewaltigen Pferdefuß. Mit der Abschaffung der Sklaverei verloren die USA ihre billigen Arbeitskräfte. Die muss man sich irgendwie wiederholen. Also warum sich nicht einfach diesen Zusatz im Zusatzartikel zu Diensten machen und versuchen, die Anzahl der Menschen hinter schwedischen Gardinen subtil zu erhöhen? Und weil man ja nicht einfach so wahllos Leute einsperren darf, braucht es dafür einen rechtskonformen Grund. Auftritt Richard Nixon und später auch Ronald Reagan, deren Politik, wie Ava DuVernay in ihrer wichtigen und gut recherchierten Dokumentation aufzeigt, den Grundstein dafür legte, dass heute im schon genannten land of the free so viele Bürgerinnen und Bürger im Gefängnis sitzen wie sonst nirgends, mehr noch als im vielgescholtenen China. Mit 655 Inhaftierten pro 100.000 Einwohner stellen die USA auch im relativen Vergleich den Spitzenwert. Ava DuVernay nutzt die Fachkompetenz ihrer Interviewpartner, um mit einfachen filmischen Mitteln, die aber wirkungsvoll eingesetzt werden, eine komplexe Geschichte verständlich aufbereitet zu erzählen. Ein guter und wichtiger Film.


7,5 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Der höllische Kessel (1903)

Regie: Georges Méliès
Original-Titel: Le chaudron infernal
Erscheinungsjahr: 1903
Genre: Kurzfilm, Horror
IMDB-Link: Le chaudron infernal


Der heutige Georges Méliès-Film, der auf diesem Blog vorgestellt wird, ist ein handkolorierter Horrorfilm aus dem Jahr 1903. Ein wohliger Schauer war immer schon Bestandteil der Unterhaltung, ob in Literatur, im Theater oder eben dann im Medium Film. Und wenn man solche Tricks im Ärmel hat wie Georges Méliès, der gelernte Zauberkünstler, kann man das frühe, noch nicht an das Kino gewöhnte Publikum ordentlich erschrecken. In diesem Kurzfilm treiben zwei Teufel ihr Unwesen. Arme, unschuldige Menschen werden in einen Kessel gestopft und bei lebendigem Leibe verbrannt. Doch damit nicht genug – nach einem dämonischen Spruch steigen die Seelen der Verstorbenen empor, ehe auch diese von den böswilligen Teufeln endgültig verbrannt werden. Ja, das alles ist natürlich herrlich naiv und unschuldig. Aber man kann sich schon vorstellen, welchen Schrecken die Bilder vor fast 120 Jahren beim Publikum erzeugt haben. Das große Plus dieses Werks von Méliès ist die aufwendige und bunte Handkoloration. Eindrucksvoll stechen die beiden Teufelsköpfe in tiefstem Rot aus dem Hintergrund hervor. Die Teufel selbst tanzen in Türkis – ein sehr frühes Foreshadowing auf die Lage in der österreichischen Politik mehr als ein Jahrhundert später? Aber ich schweife ab. „Der höllische Kessel“ kann auch heute noch gut unterhalten, und mit einer Laufzeit von unter 2 Minuten ist er eigentlich der perfekte Film für unsere ADHS-geschädigte Gesellschaft. So etwas geht sich auch schnell mal auf dem Handy aus.


7,0 Kürbisse

(Bildzitat: Quelle http://www.imdb.com)

Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei (1977)

Regie: John Lounsbery und Wolfgang Reitherman
Original-Titel: The Rescuers
Erscheinungsjahr: 1977
Genre: Animation
IMDB-Link: The Rescuers


Zugegeben, es ist schwer, mit den Augen von Erwachsenen über Filme zu schreiben, die ganz klar an Kinder gerichtet sind, wenn man selbst noch keine Kinder hat, deren Reaktionen man in die Kritik einfließen lassen kann. Oder die man selbst als Kind zwar gesehen (und gemocht) hat, aber an die man kaum noch Erinnerungen hat, die auch beim Rewatch Jahrzehnte später nicht aufgefrischt werden. Wie geht man also mit einem Film um, der sich definitiv an ein sehr junges Publikum richtet und dessen Story für Erwachsene vielleicht nicht so fesselnd ist. Nun, es gibt immerhin auch für ältere Zuseher eine Menge an Disneys Klassiker „Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei“ zu entdecken. Zum Einen hätten wir hier mal eine recht düstere Grundgeschichte, in der ein junges Waisenmädchen von einer bösen, habgierigen Schurkin entführt und versklavt wird – was die Titelhelden ausrücken lässt, um das kleine Mädchen zu retten. Zum Anderen gibt es liebevoll gestaltete Animationen zu sehen, an denen zwar der Zahn der Zeit nagt, die aber dennoch mit netten, kreativen Ideen überzeugen können – sei es die Albatros-Airline oder das sich verausgabende Libellchen, das als Backbordmotor für Mäuseboote herhalten muss. Das gefällt Jung wie Alt. Vielleicht ist die Suppe inhaltlich ein wenig zu dünn, als dass „Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei“ als großes Disney-Meisterwerk in die Geschichte eingehen konnte. Da gibt es schon ganz andere Kaliber, an die man sich auch mehr erinnern kann. Aber eine neuerliche Sichtung auch im nicht zielgruppenorientierten Alter ist der süß animierte Kinderfilm immer noch wert.


6,0 Kürbisse

(Bildzitat: © 1977 – Walt Disney Studios, Quelle http://www.imdb.com)