Einfach das Ende der Welt (2016)

Regie: Xavier Dolan
Original-Titel: Juste la fin du monde
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Juste la fin du monde


Mein erster Dolan. Das Regiewunderkind wird ja landauf, landab hymnisch gefeiert. Und ich muss schon sagen nach der Sichtung von „Einfach das Ende der Welt“, dass Dolan tatsächlich einen sehr individuellen und wohl leicht wiederzuerkennenden Stil pflegt, sehr laut, sehr direkt, Subtilitäten sind wohl nicht so die Sache des Kanadiers. Dass „Einfach das Ende der Welt“ massive Problem hat, geht in diesem Fall aber auf genau diesen Stil zurück. Wenn man nach alternativen Titeln für den Film suchen müsste, würden „Das große Heulen“ oder „Geschrei am Mittagstisch“ in Frage kommen. Die Besetzung mit Vincent Cassel, Marion Cotillard und Léa Seydoux, dazu der charismatische Gaspard Ulliel in der Hauptrolle, verspricht ja einiges. Auch die Story klingt interessant: Ein todkranker Schriftsteller besucht nach zwölf Jahren zum ersten Mal seine Familie (älterer Bruder samt Frau, die er selbst noch nicht kennt, Schwester, völlig überdrehte Mutter), um sie von seinem baldigen Ableben zu unterrichten. Natürlich, da ist Zunder drin. Aber Dolan entgleitet der Stoff leider, indem er die Story, ursprünglich ein Bühnenstück, als ganz großes Theater vor naturalistischer Filmkulisse anlegt. Menschen, die sich 1,5 Stunden lang anschreien, gehören auf eine minimalistisch gehaltene Bühne, die das Künstliche der Situation und der Konflikte unterstreicht, aber nicht in einen Vorstadtgarten. Eigentlich legen alle Darsteller wunderbare Theaterperformances hin, vor allem Marion Cotillard ist wunderbar fragil, aber in Summe gehen sie dem Kinobesucher spätestens nach zehn Minuten tierisch auf den Nerv. Allesamt. Ohne Ausnahme. Und zehn weitere Minuten später möchte man den kranken Schriftsteller packen und ihm mitfühlend ins Gesicht schreien (also der Lautstärke der Dialoge entsprechend), dass man vollstes Verständnis dafür hat, dass er diesen Haufen Wahnsinniger zwölf Jahre lang links liegengelassen hat. Aber man tut’s dann doch nicht, weil einem im Grunde der Schriftsteller genauso auf die Nüsse geht und es einem dann ziemlich egal ist, dass er bald abnippeln wird. Schade um das gute Thema.


4,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Filmladen)

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