Passengers (2016)

Regie: Morten Tyldum
Original-Titel: Passengers
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Science-Fiction, Thriller
IMDB-Link: Passengers


„Gravity“ meets „2001 – Odyssee im Weltraum“ meets „Moon“ meets „Titanic“ meets „Kramer gegen Kramer“ meets „Shining“. Damit ist das Grundproblem, das Morten Tyldums „Passengers“ aufweist, schon umrissen. Der Film geht kein Risiko ein und den Weg des geringsten Widerstands. Die Ausgangslage hätte Potential für einen weitaus interessanteren, gewagteren Film gehabt: Auf einer 120 Jahre dauernden Reise durchs All zu einem neuen bewohnbaren Planeten kommt es zu einem Defekt, wodurch einer der Passagiere (Chris Pratt) aus dem Tiefschlaf erwacht. Während er die ersten Stunden noch im Glauben verbringt, er nähere sich nun dem neuen Heimatplaneten an, muss er bald zu seinem Entsetzen feststellen, dass ihn noch 90 Jahre von der Ankunft trennen. Heißt: Vor ihm liegt ein ganzes Leben in Einsamkeit auf einem Raumschiff, als einzige Gesellschaft der von Michael Sheen gespielte Bar-Roboter. Natürlich kommt man dann mit der Zeit auf dumme Gedanken. Und der dümmste davon ist sicherlich, eine hübsche Mitpassagierin (Jennifer Lawrence) vorzeitig aus dem Tiefschlaf zu holen. Was also eine Geschichte über die großen moralischen Fragen des Lebens hätte sein können – inwieweit man in das Leben eines anderen Menschen eingreifen darf, wie wir mit Einsamkeit umgehen, was menschliche Kontakte für uns bedeuten – biegt etwa zur Hälfte des Films ab, um konventionellere Sci-Fi-Thriller-Katastrophen-Pfade zu bestreiten. Das Raumschiff spielt verrückt, es muss gegen die Zeit angerannt werden, um das Werkl doch noch irgendwie zusammenzuhalten, und moralische Fragen werden bei all der Rennerei natürlich beiseite geschoben. Aber hier wird aus „Moon“ meets „2001 – Odyssee im Weltraum“ meets „Shining“ meets „Kramer gegen Kramer“ nun leider ein (schlechtes) „Gravity“ meets „Titanic“. Die Action ist leider ziemlich lächerlich und over-the-top und versenkt gegen Ende hin den an sich guten Film in die Durchschnittlichkeit. Für ein passables Kinovergnügen reicht es aus, aber man ärgert sich halt dann doch ein bisschen ob der verschenkten Chancen. So wie im Fußball über den Ausgleich, den der bislang gegen den Titelanwärter führende Underdog in der 90. Minute doch noch hinnehmen muss.


6,0
von 10 Kürbissen

5 Kommentare

    1. Besten Dank! Bin schon länger immer wieder mal bei euch zu Besuch, eure Seite ist einfach das Figlmüller-Schnitzel unter den Filmkritikenseiten.

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  1. Schöner Fußball-Vergleich. Wobei Passengers bei mir schon zur 60. Minute uneinholbar hinten lag. Da hätte selbst das bessere Ende des ersten Drehbuchentwurfs nichts mehr geändert.
    (Musst dir bei Interesse mal ansehen, das ist um einiges düsterer und auch abgefahrener)

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