Hacksaw Ridge – Die Entscheidung (2016)

Regie: Mel Gibson
Original-Titel: Hacksaw Ridge
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Kriegsfilm / Anti-Kriegsfilm
IMDB-Link: Hacksaw Ridge


Standing Ovations in Venedig. Das gefeierte Regie-Comeback von Mel Gibson. Ein harter, düsterer Kriegsfilm über einen Soldaten, der zum Helden wurde, ohne einen einzigen Schuss abgefeuert zu haben. Das ist „Hacksaw Ridge“. Zumindest für viele Zuseher, die unter der zentimeterdicken Schicht Pathos und Religionsfanatismus, die Mel Gibson auf die Filmrollen gekleistert hat, noch etwas erkennen können. Ich konnte es nicht. Im Gegenteil. Viele pathetische Stellen offenbarten für mich eine sehr unfreiwillige Komik, und mir sind beim Ansehen mindestens drei Trinkspiele zu diesem Film eingefallen. Zum Beispiel jedes Mal, wenn Gott erwähnt wird oder der Glaube, einen Kurzen. Oder einen Doppelten für jedes „Just one more!“ von Andrew Garfield (der sich mit zwei Gesichtsausdrücken, grinsend und betroffen, in die Riege der Oscarnominierten gemogelt hat), wenn er einen weiteren blutenden Kollegen vom Schlachtfeld zieht. Wenn man eines dieser Trinkspiele wirklich durchzieht, geht’s einem so wie den meisten Soldaten im blutigen Gemetzel auf Okinawa: Man erlebt das Ende des Films nicht mehr. Was mir ebenfalls missfallen hat, waren die rassistischen Untertöne (irgendwann während des Films hat sich meine Oscar-Gefährtin, die das Leid mit mir durchgestanden hat, zu mir gedreht und gemeint: „Ist dir eigentlich aufgefallen, dass es keinen einzigen schwarzen Soldaten in der Truppe gibt? Nicht mal einen Quoten-Schwarzen, nichts.“), so sind auch die Japaner einfach nur gesichtslose, fanatische Schlächter, und der Film zeigt keine einzige originelle Szene – alles läuft schön nach Klischee ab, als wäre „Hacksaw Ridge“ eine Best-Of-Compilation aller bisher gedrehter Kriegsfilme – von „Full Metal Jacket“ über „Die Akte Jane“ und „Forrest Gump“ bis hin zu „Der Soldat James Ryan“. Alles da. Vom erbarmungslosen Drill Sergeant über das Robben durch Schlamm bis hin zum theatralischen Abtransport des verwundeten Kampfgenossen auf den Schultern. Habe ich alles schon dutzendfach gesehen, muss ich nicht noch mal sehen.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Constantin)

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