Die rote Schildkröte (2016)

Regie: Michael Dudok de Wit
Original-Titel: La Tortue Rouge
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Animation
IMDB-Link: La Tortue Rogue


Mein erster Film des Studios Ghibli ist, so meine Ghibli-erfahrenen Freunde, ein sehr untypisches Werk für dieses Studio, das den Niederländer Michael Dudok de Wit eingeladen hat, seine Geschichte, eine Parabel auf das Leben am Beispiel eines Schiffbrüchigen, zu erzählen. „Die rote Schildkröte“ ist voller Symbole, die auf das Leben und den Tod verweisen, und trägt die Geschichte völlig ohne Dialoge und in einem langsamen, meditativen Tempo vor. Erzählt wird von einem Schiffbrüchigen, der auf einer einsamen Insel strandet. All seine Versuche, mit einem selbstgebastelten Floß der Insel zu entkommen, schlagen fehl, denn wieder und wieder wird sein Floß von einer geheimnisvollen, roten Schildkröte beschädigt. Als die Schildkröte eines Tages auf den Strand kriecht, beginnt damit eine neue Geschichte, die vom Leben, vom Tod, von Schuld, von Reue und von Liebe und Geborgenheit erzählt – und davon, wie fragil alles ist, was uns Menschen definiert. Die Animationen sind sehr schlicht gehalten und unterstreichen die Einsamkeit des Schiffbrüchigen und das Gefühl von Verlorenheit. Der Film ist beileibe keine einfache Kost – zu träge mag er vielen erscheinen, zu still auch, zu symbolhaft, und für Kinder ist er meiner Meinung nach kaum geeignet. Wenn der zuvor noch so süße Seelöwe plötzlich tot am Strand liegt, und der Schiffbrüchige öffnet ihm den Bauch, um aus dem Fell Kleidung zu machen, wirft dieses beiläufige Nebeneinander von Leben und Tod viele Fragen auf, mit denen die Kleinsten wohl hoffnungslos überfordert sind. Auch ist der Film äußerst handlungsarm und damit für junge Zuseher wohl auch recht langweilig. „Die rote Schildkröte“ ist das Gegenstück zu einem actiongeladenen „Findet Dorie“ oder einem zuckersüßen „Pets“ – „Die rote Schildkröte“ ist erwachsenes Animationskino, das die ganz großen Themen des Lebens angeht. Der Film findet sicherlich nicht bei jedem Zustimmung, aber er pflanzt Keime für weitere Gedanken und Betrachtungen. Für mich eine verdiente Oscar-Nominierung, auch wenn es mich wundern würde, könnte der Film den Goldmann am Ende tatsächlich einheimsen. Dazu ist er zu anders, zu eigen.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

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