Ziemlich beste Freunde (2011)

Regie: Olivier Nakache und Éric Toledano
Original-Titel: Intouchables
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Komödie
IMDB-Link: Intouchables


Mit französischen Feelgood-Movies habe ich manchmal ein wenig zu kämpfen. Dieses leicht Überdrehte und das „Wir können ja auch mal politisch nicht ganz korrekt sein und verdecken damit, dass wir eigentlich einen ziemlich rassistischen / sexistischen Film gemacht haben hö hö“ trifft seltener meinen Humor als dass es daran meilenweit vorbeischießt. So bin ich auch mit einer Portion Skeptizismus an „Ziemlich beste Freunde“, den Sensationserfolg aus 2011, herangegangen. Ich wurde eines Besseren belehrt. Denn „Ziemlich beste Freunde“ ist vor allen Dingen eines: Unaufgeregt und unsentimental. Und damit ganz stark. Es wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt, der sozial schwächere Schwarze muss nicht aus dem Ghetto gerettet werden, der querschnittsgelähmte reiche Schnösel muss nicht ins Leben zurückgeführt werden. Beide kommen eigentlich ganz gut zurecht mit den Karten, die ihnen das Schicksal ausgeteilt hat – mal mehr, mal weniger, aber sie haben immer den Kopf oben und versuchen, das jeweils Beste aus ihrer Situation zu machen. So entsteht die Freundschaft nicht aus sentimentalen Rührgeschichten heraus, sondern aus echter Zuneigung und Chemie und Verständnis für den Anderen, so verschieden man auch ist. Und das ist eine verdammt gute Botschaft, finde ich. Endlich mal ein Feelgood-Movie, nach dem ich mich tatsächlich gut fühlte.


8,0
von 10 Kürbissen

4 Kommentare

  1. Ich weiß noch, als ich damals im Kino gearbeitet habe. Mitten im Film kam ein Rollstuhlfahrer nebst Begleitung (die den Film kostenlos sehen durfte) mit hochrotem Kopf aus dem Saal gerollt. „So ein Scheißdreck“, hat er vor sich hingeflucht und meinte dann, dass die Filmtypen sich mal mit echten Behinderten hätten auseinandersetzen sollen.

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    1. Schwierig, schwierig. Denn was sind „echte Behinderte“? Für mich ist jeder Mensch individuell. Klar, querschnittsgelähmte Milliardäre sind, was deren Lebensrealität betrifft, wohl relativ weit entfernt von deinem Kinobesucher. Aber sind behinderte Nicht-Milliardäre deshalb eine homogene Menge? Ich denke nicht. Ich verstehe den Unmut des Kinobesuchers, der sich in der Figur des Philippe nicht wiedererkannt hat, aber seine Reaktion ist auch ein bisschen zu kurz gedacht.

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      1. Es ging ihm (glaube ich) nicht darum, dass der Rollstuhlfahrer reich war, sondern, dass die Behinderung und der Umgang damit, nicht in seinem Interesse dargestellt wurde, bzw. authentisch genug. Kein Ahnung, ob da was dran ist. Habe mich nicht näher mit ihm auseinandergesetzt, da er schon recht angefressen war.

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