Nouvelle Vague (1990)

Regie: Jean-Luc Godard
Original-Titel: Nouvelle Vague
Erscheinungsjahr: 1990
Genre: Drama
IMDB-Link: Nouvelle Vague


Wie es halt so ist: Man trifft auf einen anderen Menschen, findet diesen interessant und anziehend, und man probiert es miteinander, und auch wenn die Dates eher mühsam ablaufen und man keine gemeinsamen Themen findet, so findet man sich dann doch irgendwann in einer Beziehung wieder, ohne dass  ein tiefes Verständnis füreinander da wäre, man findet nicht wirklich zueinander, man bemüht sich, ja, aber irgendwann sitzt man am Küchentisch oder in einem Kaffeehaus und sieht sich in die Augen und sagt: „Sorry, aber das mit uns beiden, das wird einfach nichts.“ Und der Andere nickt, zieht an seiner Zigarette und meint: „Ich verstehe. Mir geht’s ja genauso.“ So ist das mit Godard und mir. Wir haben es versucht. „Adieu au langage“ (der mir mit seinen verschobenen, asynchronen 3D-Bildern Kopfschmerzen verursacht hat), „Die Verachtung“ (die mich kalt gelassen hat) und nun „Nouvelle Vague“. Ich erkenne an, dass das, was Godard in seinen Filmen gemacht hat, Kunst ist. Nur bleibt sie mir unverständlich, ich finde keinen Zugang. Ich bin der Monet-Liebhaber vor dem Jackson Pollock-Gemälde. Ich versuche verzweifelt, die Seerosen zu finden, sehe aber nur Kleckserei. Für alle, die mit Jackson Pollock (und Jean-Luc Godard) mehr anfangen können und die wissen wollen, worum es geht: „Nouvelle Vague“ ist eine sehr geschwätzige, fast ausschließlich aus Zitaten bestehende Liebesgeschichte zwischen zwei Nichtschwimmern. Alain Delon schaut in der ersten Hälfte des Films verwirrt und in der zweiten Hälfte streng drein, Domiziana Giordano ist nett anzusehen, wie überhaupt der Film mit sehr schönen Bildern und Menschen aufwarten kann, aber irgendwie macht die Geschichte, die in der Klasse der reichen Wirtschaftsbonzen spielt, keinen Sinn. Jedenfalls nicht für mich. „Es tut mir leid, Jean-Luc. Wir können ja Freunde bleiben.“ – „Nein. Ich möchte mit einer solchen Banause wie dir nichts mehr zu tun haben.“ – „Du bist hartherzig.“ – „Ich bin der moderne Film.“ – „Na dann. So long!“


4,5
von 10 Kürbissen

4 Kommentare

  1. Witzig. Die Verachtung sah ich Sonntags im Kino, hatte ihn aber vorher schon gesehen. Wirkt im Kino noch ganz anders. Den mochte ich tatsächlich sehr, vielleicht schaffe ich auch noch eine Rezi dazu.

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    1. Bin gespannt. Von den drei Filmen, die ich bislang von Godard gesehen habe, hat mir „Die Verachtung“ auch am besten gefallen. Allerdings komme ich generell mit Godards Zugang zum Film nicht so wirklich zurecht.

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      1. Ich glaube, das „Problem“ bei Die Verachtung sind die vielen Referenzen und Godards Verweigerung, dazu Stellung zu beziehen. Ich persönlich mag Filme sehr gern, in die ich mich nach der Sichtung erst mal einlesen, zu denen ich mir tagelang den Kopf zerbrechen muss. Das ist natürlich nicht immer ein Qualitätsmerkmal, aber für mich werden diese Filme dadurch meistens etwas wertvoller.

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      2. Na ja. Das ist ja generell so seine Masche, oder? Unverständliche Filme mit einem ganzen Bündel an Querverweisen zu drehen und dann dazu zu schweigen. An sich mag ich es ja auch, wenn ein Film etwas „verkopft“ ist und man sich danach noch damit auseinandersetzen darf/muss, um manche Anspielungen und dergleichen nachvollziehen zu können, aber bei Godard ist mir das Gesamtpaket dennoch zu heftig. Da muss ich kapitulieren.

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