Aquarius (2016)

Regie: Kleber Mendonça Filho
Original-Titel: Aquarius
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Aquarius


„Aquarius“ erzählt auf leichtfüßige Weise die Geschichte einer erfolgreichen Schriftstellerin und Musikkritikerin Clara (überragend gespielt von Sonia Braga), die letzte Bewohnerin des Wohnhauses „Aquarius“, das abgerissen werden und einem neuen, modernen Apartmenthaus Platz machen soll. Clara, die Eigentümerin einer der Wohnungen, wehrt sich gegen den Verkauf. Ihr Leben hat sich in diesem Haus abgespielt, ihre Erinnerungen hängen daran – die guten wie auch die schlechten. Als Story klingt das reichlich unspektakulär, aber darum geht es „Aquarius“ auch gar nicht so sehr. Viel mehr entfaltet sich nach und nach in den zwischenmenschlichen Beziehungen ein Panorama des Zustands der heutigen brasilianischen Mittelschicht. Gleichzeitig gibt der Film einen Kommentar zum Kapitalismus ab, wenn er in einer zynischen Schlussszene die Methoden aufdeckt, mit denen man versucht, die widerspenstige Clara aus dem Haus zu entfernen. Die ganz große Stärke des Films ist aber das präzise, menschlich unheimlich differenzierte Abbild der sozialen Beziehungen zwischen Familie, Freunde, lockeren Bekanntschaften. Clara ist nicht mehr jung und sie hat es auch nicht ganz einfach mit ihren erwachsenen Kindern, denn auch wenn sie vital und immer noch am Puls der Zeit ist, so zeigt sich dennoch ein kleiner Graben, der sich aus der Familiengeschichte heraus durch die Generationen zieht. Mehr Zugang findet sie zu ihrem Neffen, und hier verbinden sich die Jahrzehnte einfacher und natürlicher miteinander. Der Film idealisiert hierbei zu keinem Moment, sondern zeigt das Leben einfach so, wie es ist – mit den kleinen, schmutzigen Freuden, mit den Narben, den Enttäuschungen und ungeschickten Küssen. Mit fast 2,5 Stunden Laufzeit verlangt er auch ein wenig Sitzfleisch von seinem Publikum, und in nicht jeder Szene ist eine wirklich dringliche Relevanz zu spüren, aber dennoch gehört „Aquarius“ durch seinen ehrlichen Blick auf die Menschen und eine großartige Sonia Braga zu meinen Filmhighlights der letzten Wochen. Empfehlenswert!


7,5
von 10 Kürbissen

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