Cleopatra (1963)

Regie: Joseph L. Mankiewicz
Original-Titel: Cleopatra
Erscheinungsjahr: 1963
Genre: Historienfilm
IMDB-Link: Cleopatra


Vier Stunden. Darauf muss man sich einstellen, wenn man die DVD oder Blu-Ray von „Cleopatra“ einwirft oder auf sonstigen dubiosen Kanälen diesen Historienschinken startet. Man hat wahrlich nicht gekleckert – weder bei den farbenprächtigen Kostümen noch bei den imposanten Bauten noch eben bei der Laufzeit. Als cineastische Zwischenjause ist das Werk von Joseph L. Mankiewicz, zum Zeitpunkt des Entstehens der teuerste Film aller Zeiten, nicht geeignet. Die Geschichte sollte bekannt sein, wenn nicht in der Schule jede Geschichtsstunde den schülerautonom freien Tagen zum Opfer gefallen ist. Für alle, die eine Auffrischung brauchen: Cäsar (der Julius, wie man aus den Asterix-Comics weiß) bandelt mit Cleopatra an (die mit der schönen Nase, ebendort), Julius wird gemeuchelt, Cleopatra bandelt mit Marcus Antonius an, der sucht Zoff mit Cäsars Nachfolger Octavian, doch seine Schiffe werden im Meer versenkt, er stürzt sich ins Schwert, Cleopatra spielt mit ihrem Haustier, Ende gut, alle tot. Gleich mal ein erster Hinweis auf die Filmabendtauglichkeit des Historienschinkens: Ich habe keine vier Stunden gebraucht, um diese Geschichte zu erzählen. Sprich: Was „Cleopatra“ vor allen Dingen ist, das ist lang. Um historische Genauigkeit bemüht, erzählt der Film die Handlungen seiner Figuren wirklich sehr exakt nach, bis zur Ermüdung teilweise. Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass die handelnden Figuren eben nur handeln, aber sie lassen Tiefe, innere Motivation und wahre Konflikte vermissen. So ist „Cleopatra“ bei allen Bemühungen um monumentale Unterhaltung im Grunde nur eine Nacherzählung der historischen Ereignisse. Allein Rex Harrison als Cäsar kann hin und wieder so etwas wie Tiefe erkennen lassen. Liz Taylor ist zwar eine Augenweide, aber ihre Cleopatra ist (charakterlich) so flach wie ein Papyrus, und was Richard Burton dazu befähigen soll, einen interessanten Marcus Antonius darzustellen, darüber wird wohl heute noch in Fachkreisen gerätselt. Und habe ich schon einmal erwähnt, dass der Film lang ist? Also so richtig, richtig lang? Unterm Strich ist „Cleopatra“ zwar ein beachtlicher Versuch, etwas Großes auf die Beine zu stellen, und man merkt dem Film in vielen Aspekten wie eben der Ausstattung an, dass da richtig viel Kohle hineingesteckt wurde, und diese Aspekte unterhalten auch, aber man darf halt nicht auf das Wichtigste vergessen – interessante Charaktere. Und so wird sich wohl kaum jemand diese vier Stunden noch einmal gönnen, wenn er erst einmal durch ist. Dann also doch lieber Asterix.


5,5
von 10 Kürbissen

3 Kommentare

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