Engel der Verlorenen (1948)

Regie: Akira Kurosawa
Original-Titel: Yoidore Tenshi
Erscheinungsjahr: 1948
Genre: Drama
IMDB-Link: Yoidore Tenshi


Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio. Quentin Tarantino und Christoph Waltz. Ingmar Bergman und Liv Ullmann. Akira Kurosawa und Toshirō Mifune. Matches made in Heaven. Mit Kurosawa und Mifune ging es los mit dem Drama „Engel der Verlorenen“, wobei der Engel in diesem Fall selbst ein Verlorener ist, die wortgetreue Übersetzung „Der trunkene Engel“ also wohl besser gepasst hätte. Es geht um den Arzt Sanada (Takashi Shimura), der im Armenviertel seinen Dienst verrichtet an jenen, die sich sonst keine medizinische Versorgung leisten können. Vor allem die fast unaufhaltsame Tuberkulose macht den Menschen hier schwer zu schaffen. Sanada ist zum zynischen Trinker geworden – ein einsamer Wolf, der seine Patienten zwar anbellt, aber heilt, statt sie zu beißen. Sanada ist ein sehr ambivalenter Charakter, mürrisch, unsympathisch, aber durch sein Handeln zeigt sich seine eigentliche Natur, er hat ein gutes Herz. Und so gibt er auch nicht auf, als eines Tages der verletzte Gangster Matsunaga (Toshirō Mifune) in seiner Praxis steht, bei dem er Anzeichen der Tuberkulose zu erkennen glaubt, wovon sein Patient allerdings nichts wissen will. In der rauen Welt der kriminellen Clans darf man sich keine Schwäche erlauben. Doch Sanaga lässt nicht locker, stellt dem Gangster nach, versucht ihn zu überzeugen. Es entspinnt sich ein Zweikampf zwischen dem Retter wider Willen und dem Gegenpart, der seine Rettung verweigert. Diese ungewöhnliche Konstellation birgt allerhand psychologische Spannung in sich, die Kurosawa geschickt ausspielt. So benötigt der Film einige Zeit, um den Zuseher zu packen, da es eben zu Beginn an Identifikationsfiguren mangelt – jeder ist hier erst einmal unsympathisch und hysterisch auf den ersten Blick – doch nach und nach zieht Kurosawa seine Schrauben fester an, und gebannt verfolgt man diesem Krieg der Worte und Gesten, den Kampf um nicht eine, sondern gleich zwei gefallene Seelen. Natürlich sieht man dem Film sein Alter an, beispielsweise auch beim Overacting der Akteure. Doch Kurosawas erster Film, bei dem er volle Kontrolle über die Entstehung hatte, ist inhaltlich erstaunlich modern und weiß auch heute noch zu packen.


7,5
von 10 Kürbissen

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