Wir töten Stella (2017)

Regie: Julian Roman Pölsler
Original-Titel: Wir töten Stella
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama
IMDB-Link: Wir töten Stella


Ob ihr bekanntester Roman „Die Wand“, ihre zahlreichen Kurzgeschichten oder eben die Novelle „Wir töten Stella“ – Marlen Haushofers Prosa zeichnet sich stets durch eine präzise, klare Sprache aus, die das Offensichtliche als Fassade nimmt, um über subtile Zwischentöne den eigentlichen Inhalt zu vermitteln. In „Wir töten Stella“ sind es die Fragen der Passivität und dadurch entstehenden Mitschuld am Verbrechen, die über die Geschichte einer Beziehungskrise und eines Ehebruchs verhandelt werden. Julian Pölslers Verfilmung versucht, sich diesen Zwischentönen durch grellen Symbolismus und Durchbrechung der realistischen Ebene mit dem Mittel der Verfremdung zu nähern. Horrorelemente werden in die Geschichte eingebaut, um darüber die Zwischenebene der Schuldfrage sichtbar zu machen. Das Offensichtliche, die realistische Ebene also, wird hierbei in den Hintergrund gedrängt, was den Film sehr artifiziell wirken lässt. So eine Künstlichkeit und das Erzählen einer Geschichte über die Ebene der Symbole und Metaphern kann ja ganz wunderbar sein, wenn es denn gut gemacht ist. Wenn man mit einem Holzhammer auf sein Publikum einprügelt und dabei vergisst, die eigentliche Geschichte zu erzählen, hat man allerdings in der Regel ein Problem. Und genau das passiert hier. Der Ursprung des Problems dieser Verfilmung scheint zu sein, dass sich Pölsler vorgenommen hat, der literarischen Bedeutung Haushofers gerecht zu werden, indem er sich um einen möglichst kunstsinnigen, überhöhten Zugang bemüht. Dabei kann die Geschichte aber auch sehr einfach und klar erzählt werden – wie es Haushofer selbst tut – und die Interpretation der Zwischentöne bleibt dem Publikum überlassen. Jede Zeile Haushofers scheint aber ins Extremste ausgewalzt und mit bedeutungsschwangerer klassischer Musik und verfremdeten Geräuschen unterlegt zu sein, das (Mit)Denken des Zusehers wird durch dieses Feuerwerk an Symbolismus eher unterdrückt als gefördert. Dazu kommt, dass ich dem Regisseur nicht abkaufe, sich in dem gehobenen bürgerlichen Milieu wirklich wohlzufühlen. Ist es wirklich so, dass der Vater vom Sohn noch immer mit „Herr Papá“ angesprochen wird? Dass die scheinbar einzige Freizeitbeschäftigung solcher Familien im Trinken von Rotwein und dem Hören der Musik von Johann Sebastian Bach besteht? Dass das Familienoberhaupt auch privat nur Anzug trägt und nicht die kleinste Gefühlsregung zeigt? Hier fehlt es an Lebensnähe, und das liegt nicht an der Vorlage, die diesbezüglich weit mehr Spielraum zulässt. Auch das Schauspiel ist oft hölzern und schlicht und ergreifend schlecht – Martina Gedeck in der Hauptrolle ausgenommen, die zwar auch sehr zurückhaltend, aber nuanciert spielt. Das alles führt dazu, dass sich der Film unwirklich und damit irrelevant anfühlt. (Ohne zu spoilern, denn der Schluss wird gleich zu Beginn erzählt:) Am Ende ist Stella tot. Der Film aber auch.


4,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Thimfilm)

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