Es (2017)

Regie: Andrés Muschietti
Original-Titel: It
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Horror
IMDB-Link: It


Ich gebe es zu: Ich bin ein Schisser. Horrorfilme sind nur selten etwas für mich. Sie müssen augenzwinkernd oder zumindest mit einer klaren sozialkritischen Botschaft daherkommen, an der ich mich mit weißen Knöcheln festkrallen kann, und dürfen meinen Puls nicht mit zu  vielen Jump-Scares in die Höhe jagen. „Get Out“ war zuletzt so ein gelungenes Beispiel, oder auch der rasend komische Meta-Horror-Film „The Cabin in the Woods“, aber auch „28 Days Later“. Rasend komisch habe ich die Neuverfilmung „Es“ (gleich vorweg: Die 1990er-Verfilmung mit Tim Curry in der Rolle des Pennywise habe ich nie gesehen, denn: siehe erster Satz) nicht erwartet, und anhand des Trailers war klar: Hier wird mit Jump-Scares gearbeitet. Warum also habe ich mich freiwillig in einen dunklen Kinosaal gesetzt, um mir das dennoch anzusehen? Nun ja, es ist Stephen King. Und der Mann kann einfach etwas irrsinnig gut – abgesehen davon, die Leser zu Tode zu erschrecken. Denn das ist nämlich die Figurenzeichnung und das Aufwerfen der großen, existenziellen Fragen nach dem Aufwachsen, nach Freundschaft und Zugehörigkeit, nach der Rolle im Leben. So stammt die Vorlage von „Stand by Me“ auch aus seiner Feder. Und in gewisser Weise ist „Es“ in der Verfilmung von Andrés Muschietti eine Neu-Interpretation von „Stand by Me“, nur mit Gruselclown. Der Film erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte, jedenfalls dieser erste Teil, der ausschließlich den Handlungsstrang der Kinder behandelt (der von den 50er-Jahren in die 80er-Jahre verlegt wurde, was sehr gut funktioniert). Mit der Chemie zwischen den Kinderdarstellern steht und fällt das Ganze aber auch. Und da macht „Es“ alles richtig. Jeder einzelne der Darsteller ist grandios gecastet, jeder spielt großartig, jeder hat seine würdigen Momente und ausreichend Screentime. Der Film ist im Grunde mehr an diesen Figuren und ihrer Freundschaft und ihrem Aufwachsen interessiert. „Es“ ist das Böse, das in eine Idylle hineinbricht, aber „Es“ ist auch das, was die Kinder letztlich zusammenschweißt und sie stärker macht. Bill Skarsgård legt seinen Pennywise facettenreich und diabolisch an, ein würdiger Gegenspieler für den Club der Verlierer, aber im Grunde hat weder der Schauspieler noch „Es“ eine Chance, gegen die Kinder anzukommen. Und das macht „Es“, jedenfalls den ersten Teil (der zweite soll 2019 ins Kino kommen), zu einem dann doch sehr optimistischen Film. Das kann sich auch ein Schisser wie ich ansehen, auch wenn es natürlich die dazugehörige Dosis Jump-Scares und gruseliger Momente gibt. Für Horror-Aficionados wird das vielleicht zu wenig sein, aber wer an einer guten Geschichte mit lebensnahen Figuren interessiert ist, ist mit „Es“ gut bedient.


7,5
von 10 Kürbissen

3 Kommentare

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