Mr. Long (2017)

Regie: SABU
Original-Titel: Ryu San
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Komödie, Thriller
IMDB-Link: Ryu San


Manchmal geht auch beim besten Auftragskiller etwas schief – und das bedeutet halt gleich mal Gefahr für Leib und Leben. So kann sich der stoische taiwanesische Killer Mr. Long bei einem missglückten Auftrag in Tokio nur knapp vor der japanischen Yakuza in Sicherheit bringen und landet verletzt in einem verlassenen Haus in einer Kleinstadt. Japanisch sprechen kann er nicht, doch unverhofft kommt oft – und so greift ihm bald ein kleiner Junge, der Sohn einer drogensüchtigen Ex-Prostituierten, unter die Arme. Und dann die ganze Nachbarschaft, als sie entdeckt, dass in Mr. Long ein begnadeter Koch schlummert. So verschiebt sich der Fokus des schweigsamen Helden allmählich von der Aufgabe weg, möglichst schnell genügend Geld zusammenzubekommen, um zurück nach Taiwan zu gelangen, und hin zur Frage, ob man hier nicht ein bisschen Ruhe und Frieden finden kann. Doch der Teufel schläft bekanntlich nicht, und das tun auch nicht die japanische Yakuza oder unerfreuliche Bekanntschaften der Mutter des Jungen aus der Vergangenheit. Die – an sich recht klischeehafte – Geschichte erzählt „Mr. Long“ als Mix diverser Genres, die fließend ineinandergreifen. Da ist am Anfang der blutige Thriller mit schwarzhumorigem Einschlag, der durchaus aus der Feder von Tarantino stammen könnte. Dann ist da die Andeutung eines Buddy-Movies zwischen Mr. Long und dem kleinen Jungen. Die Nachbarn sorgen für Slapstick-Humor. Und schließlich wird noch eine zarte, gefühlvolle Liebesgeschichte reingepackt, bevor es am Ende wieder blutig wird. Und das funktioniert überraschenderweise richtig gut. Denn in allen Aspekten entwickelt „Mr. Long“ einen unglaublichen Sog und teils eine große, emotionale Wucht im Kleinen – in den Gesten, wenn sich der eiskalte Killer Mr. Long beispielsweise über einen gelungenen Home-Run seines jungen Freunds beim Baseballspiel freut, sich dies aber, weil er ja als dieser knallharte, schweigsame Typ wirken will, nicht anmerken möchte. Auch ist der Film konsequent – in dem, was er seinen Figuren antut und auch in dem, was er ihnen vorenthält. Phasenweise wirkt „Mr. Long“ dennoch nicht ganz ausbalanciert, und die Genreklischees, auf die der Film aufbaut, sind manchmal auch ein bisschen gar überstrapaziert. Aber sei’s drum, auch mein zweiter Viennale-Film 2017 kann jedenfalls weiterempfohlen werden.


7,5
von 10 Kürbissen

2 Kommentare

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