Marvin (2017)

Regie: Anne Fontaine
Original-Titel: Marvin
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama
IMDB-Link: Marvin


(Disclaimer: Beim Betrachten dieses Films hatte der Rezensent nach einer Nacht (bzw. einem Vormittag) mit nur drei Stunden Schlaf und der Tatsache, dass es sich beim Screening von Anne Fontaines „Marvin“ um den bereits dritten Film des Tages, und das um 21 Uhr abends, handelte, ziemlich mit der Müdigkeit zu kämpfen und hat daher wahrscheinlich trotz durchgängig offener Augen die eine oder andere Untertitel-Zeile schlicht verpasst. Diese Review ist also unter erschwerten Bedingungen zustande gekommen. #DieViennaleFordertIhreOpfer)

Marvin kommt aus einem kleinen französischen Dorf und hat heftig zu kämpfen – mit den homophoben Mitschülern, die ihn als verweichlicht betrachten und ihn daher heftig mobben, mit den Eltern, einfache Menschen, die ebenfalls mit ihren Vorurteilen nicht hinterm Berg halten, mit den Geschwistern, die ihn in den Hintergrund drängen. Im Schauspielkurs seiner Schule findet er eine Insel, auf der er diese ganzen Sorgen ein Stück weit loslassen kann. Später als junger Mann besucht er die Schauspielschule in Paris, freundet sich mit anderen Künstlern an, trifft auf Isabelle Huppert, gewinnt sie dafür, in seinem eigenen Stück, das seine Lebensgeschichte erzählt, die weibliche Hauptrolle zu übernehmen. „Marvin“ ist ein sehr klassisches, langsam und figurenzentriert erzähltes Coming of Age-Drama über einen Außenseiter in einer ihm feindlich gesinnten Gesellschaft. Nach und nach erkämpft er sich Akzeptanz. Das ist schön, solche Filme braucht es. Aber warum müssen dann fast alle Nebenfiguren ans Lächerliche grenzende Stereotypen sein? Der dicke, schnauzbärtige, cholerische und chauvinistische Vater? Die sich unterbuttern lassende, devote Mutter? Das schwule Künstlerpaar, die Marvin als einen der ihren aufnehmen? Dadurch, dass hier wirklich jede Nebenfigur in ihrer Ausgestaltung und ihren Handlungen vorhersehbar ist, nimmt sich der Film viele Möglichkeiten – und wird langweilig. Und diese Langeweile ist nicht ausschließlich der Tatsache geschuldet, dass ich ihn müde gesehen habe, sondern begründet sich eben in dem strukturellen Problem, dass Marvin, die Hauptfigur, zwar recht nachvollziehbar gezeichnet ist (auch wenn Vieles in dessen Entwicklung bloße Behauptung bleibt, die nicht mit den entsprechenden Bildern oder Szenen unterfüttert wird), aber alles rund um ihn herum pures Klischee zu sein scheint. Selbst Isabelle Huppert spielt Isabelle Huppert so, wie man sich das Klischee von Isabelle Huppert vorstellt. Immerhin ist der Film konsequent darin.


5,0
von 10 Kürbissen

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