Licht (2017)

Regie: Barbara Albert
Original-Titel: Licht
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Historienfilm
IMDB-Link: Licht


Daran, dass es um die österreichische Filmlandschaft derzeit so gut bestellt ist, hat Barbara Albert einen wesentlichen Anteil, wird doch ihr Film „Nordrand“ aus dem Jahr 1999 gerne als Initialzündung für die neue Ära des österreichischen Films gesehen. Was sich seither als Konsens etabliert hat: Wir sind als Filmnation irrsinnig gut darin, bittere Sozialdramen und schwarzhumorige bis zynische Komödien zu drehen, die der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Was erstaunlich selten vorkommt (angesichts der üppigen Historie, aus der man sich bedienen könnte), sind Kostümfilme. „Amour Fou“ von Jessica Hausner fällt mir da spontan ein, aber dann ist auch schon so ziemlich aufgeräumt. „Licht“ von Barbara Albert stößt nun in diese Lücke – und wie! Denn zum Einen ist die Geschichte der blinden Pianistin Maria Theresia von Paradis und ihrer Begegnung mit dem „Wunderheiler“ Franz Anton Mesmer ein exzellent recherchiertes und in Tonfall und Ausstattung sehr authentisch wirkendes Historiendrama par excellence, zum Anderen aber hat der Film einen sehr eigenen, individuellen Rhythmus, der ihn von vergleichbaren Filmen deutlich abhebt. Auch bietet der Film selbst keine Antworten auf die Fragen, die er aufwirft – nach Selbstbestimmung, Bestimmung, Talent vs. Lebensglück – das heißt, dass der Zuseher gefordert ist, sich seine eigenen Antworten zu basteln. Vor allem lebt „Licht“ aber von seiner herausragenden Hauptdarstellerin. Maria Dragus als blindes Musik-Genie, die hin- und hergerissen ist zwischen ihren dominanten Eltern, die große Pläne für sie haben, und der freundschaftlichen Zuneigung Mesmers, der ihr ein besseres Leben verspricht, ist grandios. Wenn sie ihre Augen aufreißt und diese wie große Murmeln in den Augäpfeln kullern auf der Suche nach der Lichtquelle, die sie vage wahrnehmen, dann ist das eine physische Art des Schauspiels, wie ich sie bisher kaum, vielleicht noch nie, gesehen habe. Auch der Rest des Casts weiß zu überzeugen, v.a. Maresi Riegner als Kammerzofe Agnes, aber es ist Maria Dragus, die diesen Film bestimmt, die Herz und Seele und Körper von „Licht“ in sich vereint, und die die steife aristokratische Etikette immer wieder mit Wärme und Emotionen durchbricht. Was mir ebenfalls aufgefallen ist: In kaum einem anderen Film wird der Gehörsinn so sehr bedient wie in „Licht“. Die Geräuschkulisse ist sehr spärlich, aber extrem gut akzentuiert eingesetzt, und das Publikum nimmt, gleich der sehbehinderten Hauptfigur, die Geräusche fast überdeutlich wahr. Das als Beispiel für die vielen kleinen Details, die der Film auf besondere Weise berücksichtigt, und die diesen herausheben aus der Menge. Fazit: Ab ins Kino, solange der noch läuft!


8,0
von 10 Kürbissen

3 Kommentare

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