Aus dem Nichts (2017)

Regie: Fatih Akin
Original-Titel: Aus dem Nichts
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Krimi
IMDB-Link: Aus dem Nichts


„Aus dem Nichts“ von Fatih Akin erzählt drei Geschichten, die in sich geschlossen eine einzige ergeben: Teil 1, „Die Familie“, ist eine Geschichte von Verlust und Trauer. Katja (Diane Kruger, wohl in der Rolle ihres Lebens) muss erfahren, dass bei einem Bombenattentat ihr türkischstämmiger Mann und ihr Sohn getötet wurden. Die Polizei ermittelt. Und nicht nur, dass sie diesen tragischen Verlust erst einmal verkraften muss, sie sieht sich zusätzlich Ressentiments gegenüber, wenn der sture Hauptkommissar partout einen Drogenfall daraus schnitzen möchte. Selbst die eigene Familie ist in dieser Situation keine Hilfe, im Gegenteil. Alte Gräben tun sich von Neuem auf. Teil 2, „Die Gerechtigkeit“, erzählt von der Gerichtsverhandlung gegen die Täter, die nun tatsächlich aufgegriffen wurden, ein Neonazi-Paar. Doch wie sieht es aus mit der Gerechtigkeit? Alle Fakten liegen auf dem Tisch – doch reicht das für eine Verurteilung, zumal sich der Strafverteidiger (Johannes Krisch als unglaublich unsympathischer Kotzbrocken) als gewieft und mit allen Wassern gewaschen herausstellt? In Teil 3, „Das Meer“, schließlich geht es um den Abschluss des Ganzen, um die Frage nach Selbstjustiz, Moral, Gewalt und Gegengewalt. Die Spirale hat sich zu drehen begonnen, doch kann sie auch aufgehalten werden? Fatih Akin erzählt diese drei Geschichten, die eine ergeben, sehr unaufgeregt und stilistisch zurückhaltend. Der Film lebt im Grunde allein von Diane Kruger, die die gewaltige Last, die glückliche Mutter genauso wie die emotional gebrochene Hinterbliebene und die wütende Witwe in einem Film meistern zu müssen, mit einer Bravour trägt, die ich ihr, ehrlich gestanden, nicht zugetraut hätte. Aber völlig verdient hat sie für diese Rolle in Cannes dafür den Preis als beste Schauspielerin bekommen. Und ich sehe sie durchaus als Dark Horse für die kommenden Oscar-Nominierungen. Dass sich meine Moviepilot-Prognose von 8,5 dann doch nicht ganz bewahrheitet hat, liegt vor allem daran, dass der Film in manchen Momenten einen etwas unentschlossenen Eindruck macht und die letzte Konsequenz scheut. So bleibt er lieber auf genrevertrauten Pfaden. Auch nehmen die Nebenfiguren, inklusive der beiden Attentäter, mit Ausnahme des Freunds und Rechtsanwalts Danilo (Denis Moschitto) keinen Raum ein – sie bleiben als Stichwortgeber blass und eindimensional. So bleibt erst einmal „Gegen die Wand“ Fatih Akins Meisterwerk. An die Qualität dieses Films kommt „Aus dem Nichts“ dann doch nicht ganz heran.


7,0
von 10 Kürbissen

2 Kommentare

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