Helle Nächte (2017)

Regie: Thomas Arslan
Original-Titel: Helle Nächte
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Roadmovie
IMDB-Link: Helle Nächte


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Muss er aber nicht, wie Thomas Arslan in „Helle Nächte“ zeigt. Der Film, für den Georg Friedrich den Silbernen Bären für den besten Darsteller in Berlin abgreifen konnte, erzählt von einer Vater-Sohn-Annäherung. Der Großvater ist gestorben und wird in Norwegen, wo er lange gelebt hat, beerdigt. Der Vater nutzt die Gelegenheit, seinen Sohn aus einer früheren Beziehung auf eine Reise durch Norwegen mitzunehmen, wenn man schon mal da oben sitzt, um da vielleicht doch mal wieder so etwas wie eine Beziehung aufzubauen. Blöd ist nur, dass zum Einen die Nächte so weit nördlich nie ganz dunkel werden, was sich allmählich negativ auf den Energiehaushalt des sonst so stoischen Vaters auswirkt, was dessen Zündschnur in weiterer Folge verkürzt. Und blöd ist auch, dass der Sohn nach dem Vater kommt, auch wenn er etwas besser schlafen kann – aber auch er schwankt zwischen Stoizismus und gelegentlichen Ausbrüchen. Und wirklich blöd für die Zuseher ist, dass mit Ausnahme von Georg Friedrich (den ich allerdings auch nicht so überragend gesehen hätte wie die Berliner Jury) keine Socke in dem Film schauspielern kann. Und noch blöder ist, dass nichts, wirklich gar nichts passiert. Das Drama spielt sich im Verborgenen ab. Die Annäherung erfolgt in mikroskopisch kleinen Schritten. Ja, das kann ja ganz nett gemeint sein, und ich bin auch bei solchen Filmen sehr für Subtilität, aber es fehlt trotzdem der Bogen, der mich an der Stange hält. Ich sehe, in welche Richtung der Regisseur arbeiten wollte, nur erreicht er sein Ziel bei diesem Tempo geschätzt in Stunde 39 des Films, aber da die Studios halt nur 1,5 Stunden finanziert haben, muss er seine zwei schweigsamen Wandersleut‘ halt doch wieder in den Flieger zurück setzen, und man kann sich im Publikum nun beim Weiterspinnen der Geschichte vorstellen, wie die beiden irgendwann im Jahre 2047 zu Papas 70. Geburtstag die lang ersehnte Aussprache haben, deren Samenkorn 2017 in Norwegen gesät wurde. Nur ist es da für mich schon zu spät. Bis dahin habe ich 5.000 andere Filme gesehen und kann mich an „Helle Nächte“ nicht mehr erinnern. So bleiben vom Film nur einige sehr schöne Aufnahmen von Norwegen, der kurz aufblitzende Gedanke, mal wandern gehen zu wollen (und schon wieder verworfen) sowie ein solider Georg Friedrich, für den es mich freut, dass er in Berlin so geehrt wurde – aber ich sehe ihn hier auch nicht besser als in anderen seiner Filme.


4,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

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