Loving Vincent (2017)

Regie: Dorota Kobiela und Hugh Welchman
Original-Titel: Loving Vincent
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Animation, Krimi
IMDB-Link: Loving Vincent


Beworben wird „Loving Vincent“ als „schönster Film des Jahres“. Wie kommt es dazu? Nun, man muss wissen, dass sich die bildnerische Künstlerin Dorota Kobiela und ihr Ehemann Hugh Welchman nichts Geringeres vorgenommen haben als den ersten, komplett in Öl gemalten Langfilm zu produzieren. Und zwar einen, der auf etwa 100 Meisterwerken von Vincent van Gogh beruht, die in etwa 60.000 Einzelbildern zum Laufen gebracht wurden. Erzählt wird die Geschichte der letzten 6 Wochen im Leben van Goghs bis zu seinem überraschenden Selbstmord in Frankreich. Der aufbrausende Armand Roulin erhält von seinem Vater, einem mit van Gogh befreundeten Postler, die Aufgabe, dem Bruder von Vincent van Gogh dessen letzten Brief zuzustellen. Zunächst geht Armand recht widerwillig an diese Aufgabe heran, doch ist bald seine Neugier geweckt, als er feststellt, dass sich van Goghs Umfeld in Widersprüche verstrickt, was die Umstände seines Todes betrifft. Und so wird daraus bald ein Kriminalfall, den Armand in bester Hard-Boiled-Manier angeht. Würde man rein die Erzählung bewerten, so fiele das Urteil über den Film wohl weniger günstig aus. Zwar ist der Krimi durchaus interessant erzählt und hält über die Laufzeit hinweg in Laune, doch bleibt vieles entweder im Dunkeln oder wirkt arg konstruiert. Überhaupt bleibt der Film eher an der Oberfläche van Goghs, zu dem der Zuseher über die ganze Laufzeit hinweg nicht wirklich einen Zugang findet, da interessanterweise gerade bei diesem Film, der für seine Bilder gepriesen wird, die Prämisse „show, don’t tell“ weitestgehend ignoriert wird. Der Film besteht aus einem durchs Dorf laufenden Armand, der mit verschiedenen Menschen über van Gogh spricht und die ihre Sicht erzählen, untermalt durch in Schwarz-Weiß gehaltenen Rückblenden. Allerdings hat man solche Bilder tatsächlich noch nie gesehen. Hier atmet jedes einzelne Frame den Geist van Goghs. Wer jemals vor einem meisterhaften Gemälde gestanden ist und sich in die darin gezeigte Landschaft hineinprojiziert hat, wird bei diesem Film aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. „Loving Vincent“ ist in der Tat ein visuelles Virtuosenstück, das neue Wege in der Filmkunst bestreitet. Da lässt es sich auch verschmerzen, wenn die Storysuppe selbst ein wenig dünn geraten ist – die üppigen Beilagen gleichen das jedenfalls aus.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 69 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Luna Filmverleih)

6 Kommentare

  1. Könnte sein, dass ich mir den auch noch im Kino anschaue. Wenn nicht, dann wird er auf jeden Fall irgendwann nachgeholt. Kurzer HInweis: Ich habe deinen Kommentar auf der Filmreise-Challenge bearbeitet und den Link zu diesem Artikel eingefügt. Das könnte für andere Teilnehmer interessant sein. Darfst du gerne in ZUkunft auch machen, wenn du möchtest :)

    Gefällt 1 Person

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