Auf dem Weg nach Oregon (2010)

Regie: Kelly Reichardt
Original-Titel: Meek’s Cutoff
Erscheinungsjahr: 2010
Genre: Western
IMDB-Link: Meek’s Cutoff


Geduld und eine Portion Hartnäckigkeit zahlen sich manchmal aus. Nachdem ich mit meinen ersten beiden Filmen von Kelly Reichardt, die ich gesehen habe, der Öko-Thriller „Night Moves“ und der Episodenfilm „Certain Women“, so meine Probleme hatte, zündete nun der minimalistische Western „Meek’s Cutoff“ aus dem Jahr 2010 so richtig. Auch wenn der Film in seiner Langsamkeit und Handlungsarmut ganz eindeutig in Reichardt-Film ist, so überzeugt er durch eine unglaublich dichte Atmosphäre, getragen von der düsteren Musik von Jeff Grace (die gelegentlich an die Soundtracks von Jonny Greenwood erinnert) und der Kameraarbeit von Christopher Blauvelt, der im Format 4:3 einen eindrucksvollen Spagat zwischen Realismus (in der Nacht ist es nun mal finster, da sieht man nur Schemen) und fast schon meditativ-entrückt anmutenden Landschaftsaufnahmen hinlegt. Die Handlung selbst ist – wie immer bei Kelly Reichardt – sehr dürftig. Drei Familien von Siedlern versuchen, über den Oregon Trail nach Westen zu kommen. Sie verlassen sich dabei auf den Trapper Stephen Meek, der vorgibt, eine Abkürzung zu kennen, sie aber – offenbar aus Unwissenheit – ins Nirgendwo führt. Die Landschaft ist karg und trocken, das Wasser wird knapp. Da stoßen sie auf einen Indianer und entgegen Meeks Warnungen, er würde sie bei der ersten Gelegenheit berauben und nicht zögern, ihnen die Kehlen durchzuschneiden, verlassen sie sich auf diesen, um sie zurück aus der Einöde und zum Wasser zu führen. Die Stärke des Films liegt eindeutig darin, dass der Überlebenskampf völlig frei von überzogenen Dramen erzählt wird, ultrarealistisch gewissermaßen. Trotz seiner Langsamkeit und Stille und auch trotz des fehlenden Bezugs zu den Figuren, die völlig ohne Backstory rätselhaft bleiben, entwickelt „Meek’s Cutoff“ dabei einen erstaunlichen Sog. Weder das Woher noch das Wohin sind von Bedeutung. Die Figuren wirken in der landschaftlichen Einöde wie aus der Zeit gefallen. Sie sind gefühlt schon seit Ewigkeiten unterwegs und werden das auch für immer sein. Sie haben keine Vergangenheit und keine Zukunft. Und das kann ich durchaus nachvollziehen: Wenn es ums Überleben geht, gibt es keinen Raum mehr für die Vergangenheit, und die Zukunft ist ungewiss und diffus. Nur das Jetzt zählt. Das hat Kelly Reichardt eindrücklich eingefangen. Vielleicht wird’s ja doch noch etwas mit uns beiden.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

5 Kommentare

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