The Portrait of a Lady (1996)

Regie: Jane Campion
Original-Titel: The Portrait of a Lady
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Drama, Historienfilm
IMDB-Link: The Portrait of a Lady


„The Portrait of a Lady“, Jane Campions opulente Verfilmung des Romans von Henry James, erhielt nur gemischte Kritiken. Und ja, es ist immer ein schwieriges Unterfangen, wenn man ein 600 Seiten starkes Buch auf Filmlänge zusammendampfen muss, zumal Henry James für das präzise Herausarbeiten sehr feiner psychologischer Nuancen bekannt war, die sich filmisch halt auch nur schwer darstellen lassen. So schreibt das Lexikon des internationalen Films zum Beispiel: „Gediegene Adaption eines Romans von Henry James, der es jedoch nicht ganz gelingt, die Beweggründe ihrer Protagonisten zu verdeutlichen […].“ Doch gerade darin liegt für mich der ganz große Reiz des Films, der seine Figuren eben nicht erklärt. Sie bleiben rätselhaft und in ihren Handlungen zuweilen auch unverständlich. Aber sind wir Menschen nicht so? Die Figuren in James‘ Roman sind ja auch extrem ambivalent angelegt, und dem wird Jane Campions Umsetzung gerecht. Isabel Archer (eine hinreißende Nicole Kidman) versteht ihre eigenen Entscheidungen oft nicht, sie folgt einem Gefühl, einem Impuls, immer aus ihren eigenen Vorstellungen von Freiheit und Unabhängigkeit heraus. Doch genau diese Vorstellungen und Ideen können sie aber auch in die Irre führen. So schlägt sie die Heiratsanträge der noblen Verehrer Lord Warburton (Richard E. Grant) und Caspar Goodwood (Viggo Mortensen) aus, nur um sich in die Arme des egozentrischen Gilbert Osmond (John Malkovich, undurchschaubar bis dämonisch wie immer) zu werfen, mit dem sie fortan eine unglückselige Ehe führt. Macht das Sinn? Nein. Aber manchmal trifft man eben mit vollem Bewusstsein und aus eigenem Antrieb heraus depperte Entscheidungen. Wenn das noch dazu so herausragend gespielt ist wie in „The Portrait of a Lady“, dann besteht die große Chance, dass man gefesselt am Bildschirm kleben bleibt. Zu nennen sind da neben dem Hauptcast noch die oscarnominierte Barbara Hershey sowie Martin Donovan, die extrem facettenreiche und interessante Nebenfiguren spielen.  Und zu nennen ist natürlich Mr. Henry James himself, der mit seinem Roman die Vorlage für die scharfzüngigen und hintersinnigen Dialoge geschaffen hat, die hier so geschliffen vorgetragen werden. Ein Film, der mehr wie ein Theaterstück wirkt, und genau das muss man eben nicht mögen, aber man kann, wenn man eine Antenne für diese Art von Geschichten hat.


8,0
von 10 Kürbissen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s