Draußen (2018)

Regie: Johanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht
Original-Titel: Draußen
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Draußen


„Denn die einen sind im Dunkeln / Und die andern sind im Licht.  / Und man sieht nur die im Lichte / Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Diese Zeilen aus der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht könnten als Motto vor dem Dokumentarfilm „Draußen“ von Johanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht stehen. Es geht um vier Obdachlose in Köln: Elvis ist darum bemüht, Ordnung unter der Brücke zu halten. Sergio, der Film-Fan aus Kasachstan, war mehr im Gefängnis als auf freiem Fuß und ist drogenabhängig, hat aber seinen Humor nicht verloren. Matze, ein alter Punk, schämt sich vor seinen Kindern. Und Peter, genannt Filzlaus, war schon überall. Er schläft in Parks und neben den Straßen im Gestrüpp. Eines der stärksten Statements im Film kommt von ihm, als er gefragt wird, ob er denn Angst davor hätte, im Wald zu schlafen. Nein, antwortet er. Er habe keine Angst im Wald. Es sei eher so, dass er derjenige sei, vor dem man Angst haben würde, wenn man ihm im Wald begegnete, dabei tue er niemanden was. „Draußen“ zeigt vier Menschen, die abseits der Gesellschaft leben und dabei versuchen, sich ein wenig Menschenwürde zu bewahren. Der Film geht dabei weniger auf das Warum ein (warum sie auf der Straße leben, wird bestenfalls nur kurz gestreift), sondern auf das Wie. Was ist diesen Menschen wichtig? Was motiviert sie, jeden Tag aufzustehen und weiterzumachen? Was sind die Gegenstände, die sie für ihr Leben da draußen brauchen, bzw. welche Gegenstände sind für sie Luxus? Darauf wird ein besonderer Fokus gelegt. Johanna Sunder-Plassmann und Tama Tobias-Macht sind dabei ganz nah dran an den Menschen. Sie lassen sie ihre Geschichten erzählen und ihre Meinungen sagen. Es sind oft überraschend zarte Geschichten und klare Einsichten. Wenn Matze erzählt, dass er froh ist, noch das Gefühl der Scham zu kennen, sagt das viel aus. Und plötzlich werden sie sichtbar: jene, die für uns im Dunkeln sind. Die beiden Regisseurinnen zeigen diese Menschen ohne falsche Sentimentalität, sondern einfach so, wie sie sind. Vom Leben gezeichnet, aber aufrecht.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 54 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: (c) unafilm / Thekla Ehling)

4 Kommentare

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