Die Verlegerin (2017)

Regie: Steven Spielberg
Original-Titel: The Post
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Biopic, Drama, Historienfilm
IMDB-Link: The Post


Katharine Graham (Meryl Streep), genannt „Kay“, war eine coole Socke. 35 Jahre lang war sie Geschäftsführerin der Washington Post und als solche die erste Frau in dieser Position in ihrer Branche, und sie machte aus der Post durch die Aufdeckung der Pentagon-Papers 1971 und der darauf folgenden Watergate-Affäre ein international renommiertes Blatt. Man sollte an dieser Stelle nun den Hut ziehen, sofern man einen trägt. Steven Spielberg hat dieser einflussreichen Frau nun mit „The Post“ ein Denkmal gesetzt. Daran ist gleich einmal positiv zu vermerken, dass der Film keine überzeichnete Heldenverehrung betreibt, sondern Kay Graham als verletzliche, unsichere und durch die Konventionen ihrer Zeit (Stichwort: „Mansplaining“) in ihren Möglichkeiten eingeschränkte Frau zeigt. Gleichzeitig ist sie unglaublich tough, da sie sich einem fast ausschließlich männlichen und ihr durchaus feindlich gesinnten Umfeld behaupten muss und folgenschwere Entscheidungen zu treffen hat. Die Veröffentlichung der streng geheimen Pentagon-Papers, und das ist das zentrale Thema des Films, könnte nämlich bereits der viel größeren und wichtigeren New York Times Kopf und Kragen kosten, denn US-Präsident Nixon hat naturgemäß keine Freude mit der Veröffentlichung der Dokumente, die belegen, dass der Vietnam-Krieg von Anfang an als verloren galt, was der Bevölkerung aber natürlich von der Regierung verschwiegen wurde. Einen Großteil seiner Zeit widmet der Film der Jagd nach den Quellen der Pentagon-Papers und dem Konflikt, in dem sich Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks mal wieder in einer Tom Hanks-Rolle) und damit auch Kay Graham befinden. Denn wenn die Quelle und damit die Papers aufgefunden werden, ist die Frage zu beantworten: Veröffentlichen – ja oder nein? Im schlimmsten Fall wird Bradlee seinen Job los, und Kay wandert hinter schwedische Gardinen. Wie gesagt, die Regierung reagiert auf die öffentliche Zurschaustellung ihrer Inkompetenz in der Regel eh leicht säuerlich, und Nixon ist da noch mal ein weitaus gefährlicherer Gegner als die Administrationen vor ihm. Hier geht es schließlich um Regierungsgeheimnisse, die dem Volk unter die Nase gerieben werden. Was also tun? Der Film fokussiert dabei hauptsächlich auf die unterschiedlichen Herangehensweisen von Bradlee und Graham. Beide haben hier eigene Standpunkte und natürlich auch auseinandergehende Interessen. Für Graham geht es auch um den Fortbestand des Lebenswerkes ihrer Familie, für Bradlee um die Pressefreiheit per se, was natürlich für Graham auch ein gewichtiges Argument ist, aber sie hat eben auch noch andere Konsequenzen zu berücksichtigen. Den Konflikt, in dem sich die Verlegerin befindet, stellt Meryl Streep wie immer überragend dar. Sie ist einfach die Beste ihrer Zunft. Und auch der ganz große Pluspunkt des Films. Denn dieser ist zwar durchaus als gelungen zu betrachten, allerdings in seiner Inszenierung durch Spielberg fast schon zu routiniert für meinen Geschmack. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass eine Szene aus dem Vietnamkrieg selbstverständlich musikalisch mit Creedence Clearwater Revival unterlegt sein muss. Ich liebe CCR, aber seit „Forrest Gump“ scheint Hollywood der Meinung zu sein, dass das die einzige Musik ist, die man zu Vietnamkriegsszenen einspielen kann. Und auch dramaturgisch ist in „The Post“ nicht viel Überraschendes dabei. Wie gesagt: Alles sehr gut gelungen, aber auch alles sehr routiniert abgearbeitet. Mit Ausnahme von Meryl Streep, die einmal mehr eine denkwürdige und facettenreiche Figur auf die Leinwand zaubert.


6,5
von 10 Kürbissen

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