Blackfish (2013)

Regie: Gabriela Cowperthwaite
Original-Titel: Blackfish
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Blackfish


Am 24. Februar 2010 starb die erfahrene SeaWorld-Tiertrainerin Dawn Brancheau nach einer Attacke des Orcas Tilikum. Dieser Vorfall – und der mediale Umgang SeaWorlds damit – gab den Anlass für Gabriela Cowperthwaites Dokumentation „Blackfish“. Im Gespräch mit ehemaligen SeaWorld-Trainern und anderen involvierten Personen und mit altem Archivmaterial ausgestattet geht sie der Frage auf den Grund, wie es zu diesem tragischen Unglück kommen konnte – und warum Dawn Brancheau bereits die dritte Person war, die nach einem Vorfall mit Tilikum ihr Leben lassen musste. Tilikum steht dabei stellvertretend für alle in Gefangenschaft gehaltenen Orcas. Sein Lebenslauf steht exemplarisch für ein ganzes System, das seinen Beginn in den 70er Jahren genommen hat. Damals wurden die ersten Jungtiere gefangen, um sie in Aquarien wie SeaWorld zur Schau zu stellen. Die Sequenz, in denen mit Tränen in den Augen ein ehemaliger Mitarbeiter von den Fangmethoden erzählt und die Archivaufnahmen von damals zeigen, wie die Familie der Jungtiere bei den Booten bleiben und nach dem Jungen rufen, ist erschütternd und aufwühlend. Und man beginnt zu begreifen, wie grausam das System ist, das diese intelligenten, sozialen Tiere zu unserer Belustigung aus ihren sozialen Verbänden reißt. Interessant ist der Blick der Tiertrainer, die zwar selbst Teil des Systems sind (und das auch begreifen), gleichzeitig aber in ihrer Naivität und von SeaWorld gesteuerten Uninformiertheit auch Opfer dieses Systems sind. Unfälle werden totgeschwiegen, und wenn es gar nicht mehr anders geht und doch wieder etwas an die Oberfläche sickert, dann schiebt man den Trainern, die angeblich Fehler gemacht haben, die Schuld in die Schuhe. Die Wahrheit ist allerdings viel komplexer, und auch wenn „Blackfish“ den Fokus eher auf den Umgang mit den Tieren in diesen Aquarien legt und weniger auf das Sozialleben und die Intelligenz der Orcas, so wird doch deutlich, wie sehr die Tiere in Gefangenschaft leiden. Sie sind keine kaltblütigen Killer, sie sind intelligente, friedliche, soziale Tiere, die die meiste Zeit über auch eine Bindung zu ihren Trainern und Menschen aufbauen. Gleichzeitig aber entwickeln sie Neurosen und Psychosen, da alles, was sie erleben (müssen), wider ihre Natur geht. Sie leiden unter der Isolation, in der sie leben, unter der Enge, ihren fehlenden Familien. „Blackfish“ macht das deutlich, bewahrt dabei aber einen ausgewogenen Blick. Weder werden die Tiere verherrlicht oder gar vermenschlicht, noch werden die Trainer, die von der Arbeit mit den Orcas erzählen, vorgeführt. Als Zuseher beginnt man zu begreifen, dass ein Teil des Problems darin liegt, dass wir noch so wenig verstehen von der Welt, in der wir leben, und wir dann auch oft den Blick abwenden vor dem Unrecht, das sich hinter unserem Unverständnis verbergen könnte. „Blackfish“ ist nicht nur ein wichtiger, sondern auch ein sehr gut gemachter Film. Nach dem Abspann bleibt man noch lange nachdenklich sitzen.


8,0
von 10 Kürbissen

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