Das Fräulein (2006)

Regie: Andrea Štaka
Original-Titel: Das Fräulein
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Drama
IMDB-Link: Das Fräulein


Mit der Heimat ist es so eine Sache. Fast jeder trägt sie im Herzen, doch wenn man lange genug woanders lebt, wird auch dieser Ort zur Heimat. In diesem Feld der Ambiguität bewegt sich Andrea Štakas Film „Das Fräulein“. Dieser erzählt von der knapp fünfzigjährigen Serbin Ruža (Mirjana Karanović), die seit fünfundzwanzig Jahren in der Schweiz lebt und nun eine Kantine betreibt. Nur ihr Akzent erinnert noch daran, dass sie ursprünglich mit großen Plänen aus dem damaligen Jugoslawien in den Westen gekommen ist. Ganz anders verhält es sich bei der jungen Ana (Marija Škaričić), die gerade eben aus Sarajevo angekommen ist. Ana musste die Schrecken des Krieges als Kind miterleben. Ihr Bruder konnte die seelischen Wunden nicht wegstecken und fand seine Erlösung im Suizid. Man merkt, dass Ana – trotz aller Lebhaftigkeit und Fröhlichkeit – vom Schicksal schwer beladen ist. Bald wird auch klar, dass es auch gesundheitlich nicht sonderlich gut um sie steht. Dennoch beginnt sie, für Ruža zu arbeiten, und allmählich kommen sich die beiden unterschiedlichen Frauen, die nur die Sprache ihrer Herkunft verbindet, auf einer freundschaftlichen Ebene näher. Ana bringt Lebensfreude in Ružas Leben, umgekehrt gibt Ruža der jungen Ana etwas Halt in einem ansonsten chaotischen Leben. Das alles ist gut und stimmig erzählt. Die Figuren sind glaubwürdig, die Emigration aus der Heimat wird nicht als traumatisierendes Übel dargestellt, sondern – aus unterschiedlichen Gründen – als logische Konsequenz der Möglichkeiten und Bedingungen, die man in der Heimat vorgefunden hat. Allerdings ließ mich der Film am Ende auch etwas unbefriedigt zurück. Er lebt über seine Spieldauer hinweg von vielen kleinen Momenten, die aber in Summe zu keiner wirklichen Entwicklung führen. Vielleicht ist am ehesten die Versöhnung mit der Vergangenheit und die Akzeptanz der Gegenwart das Thema des Films, aber alles in allem bleibt er unentschlossen und weiß am Ende nicht so recht, wohin mit seinen Figuren. Der Weg ist sehenswert, nur das Ziel nicht ganz klar.

 


6,0
von 10 Kürbissen

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