Hemel (2012)

Regie: Sacha Polak
Original-Titel: Hemel
Erscheinungsjahr: 2012
Genre: Drama, Episodenfilm, Erotik
IMDB-Link: Hemel


Das wäre etwas fürs alljährliche Viennale-Bingo gewesen! Gleich in der ersten Szene hätte man frohgemut „Brüste“ und „Penis“ abhaken können. Denn da steigt Hemel (das niederländische Wort für Himmel) textilfrei in den Ring mit einem gewissen Joris und seinem Jorischen. Das soll allerdings nicht der einzige Bettentango sein, denn bereits im nächsten Kapitel („Hemel“, der Film, ist in kurzen Episoden erzählt, in Schlaglichtern auf das Leben der Protagonistin) turnt Hemel mit einem Algerier über die Matratzen. Schon wird ein Muster deutlich: Die junge Hemel (Hannah Hoekstra) ist selbstbewusst, promiskuitiv und eiskalt. Der gerade Verflossenen ihres Vaters (Hans Dagelet) bringt sie nicht mehr Mitgefühl entgegen als einem verschmutzten Pflasterstein. Doch nach und nach zeigen sich Risse in dieser glatten, kontrollierten Oberfläche. Als sich ihr Vater ernsthaft verliebt, kann sie damit nicht umgehen. Es wird klar, dass sie selbst im Grunde auch nur auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit ist. Und so wird „Hemel“ nach dem freizügigen Beginn dann doch ein recht stiller, nachdenklicher Film über eine verletzliche junge Frau, die ihre zarte Seite hinter einem Schutzpanzer verbirgt. Hannah Hoekstra spielt diese vielen Nuancen ihrer Figur ausdrucksstark und glaubhaft. Auch Hans Dagelet als ihr Vater und Mark Rietman als einer von Hemels Liebhabern können überzeugen. Psychologisch steckt viel drin in diesem Film – der Vaterkomplex als das offensichtlichste Thema. Aber auch darüber hinaus gibt es einiges, worüber man später auch noch nachdenken kann. Dass mich „Hemel“ dennoch nicht auf der ganzen Linie überzeugt hat, liegt an einigen Details wie beispielsweise der episodenhaften Erzählweise, die sich manchmal auch in Banalitäten verstrickt, die den Film zwischenzeitlich langatmig machen. Zudem ist das Thema der jungen Frau, die Liebe mit Sex verwechselt, nicht unbedingt neu oder originell, und abgesehen davon, dass die Psychologie der Figuren ganz gut ausgearbeitet scheint, fügt der Film dem Topos der Selbstfindung junger Frauen keine zusätzliche Nuance hinzu.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 60 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


6,0
von 10 Kürbissen

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