L’Animale (2018)

Regie: Katharina Mückstein
Original-Titel: L’Animale
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: L’Animale


Oida! Das Leben ist manchmal echt oarsch. Vor allem, wenn man 18 ist, kurz vor der Matura steht, etwas studieren soll, für das man keine Leidenschaft aufbringt, die einzigen Beschäftigungen in der Pampa, in der man aufwächst, aus Motocross-Rennen im Steinbuch und der Dorfdisco bestehen, der beste Buddy plötzlich Gefühle zeigt, der Rest der Gang aus Wichsern besteht und man eigentlich selbst auf dem besten Weg ist, ein Arschloch zu werden. Wie sangen schon Fanta 4? „Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht.“ Erwachsenwerden ist eben schwierig (und zuweilen auch bedrohlich, wie „L’Animale“ andeutet, wenn der Wind wieder mal besonders vielsagend durchs Gehölz rauscht). Das haben schon Generationen von Filmemachern festgestellt. Nun eben auch Katharina Mückstein, die ihre Heldin Mati (eine sehr glaubhafte Sophie Stockinger) durch diese ewigen Mühlen dreht. Der Fokus bleibt aber nicht auf Mati allein. Immer wieder zersplittert die Geschichte in ihre Einzelteile. Die im wohl nie fertig gebauten Haus vereinsamende Mutter, der nicht geoutete Vater, auch sie bekommen ihre Screentime. So ist „L’Animale“ mitunter auch das Porträt einer Familie, deren Mitglieder völlig isoliert voneinander zu sein scheinen. Jedes Mitglied ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Und jeder sucht auf seine Weise nach Erlösung. Der Hauptstrang gehört aber eindeutig Mati, die eine erstaunliche Wendung durchmacht von der knallharten Motocross-Bitch, die für ihre Gang einer Mitschülerin auch mal ins Gesicht spuckt, zu einer sensiblen jungen Frau, die zu verstehen beginnt, dass es einen Unterschied gibt zwischen richtig und falsch, und dass Freundschaft etwas Anderes ist als ein ständiges Sich-beweisen-müssen. In diesem Sinne ist „L’Animale“ ein durchaus konventionelles Coming of Age-Drama, aber die wirklich tollen Darstellerleistungen (so gab’s auf der Diagonale 2018 den Schauspielpreis für das Ensemble) und die Erzählung selbst, die klare Aussagen verweigert und mehr in der Schwebe lässt als abschließt, heben den Film deutlich über den Durchschnitt hinaus.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

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