The Lobster (2015)

Regie: Giorgos Lanthimos
Original-Titel: The Lobster
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Drama, Fantasy, Satire
IMDB-Link: The Lobster


Vorweg: Der griechische Regisseur Giorgios Lanthimos hat einen an der Waffel. Definitiv. Oder gute Drogen. Oder beides. Aber das ist gut so. Denn nur deshalb kommen wohl solch außergewöhnlichen Filme wie „Dogtooth“ oder eben „The Lobster“ zustande, die verstören, aufwühlen und lange nachhallen. Worum geht es in „The Lobster“? In einer dystopischen Nah-Zukunfts-Welt oder einer alternativen Gegenwart (so ganz klar wird das nicht) müssen alleinstehende Erwachsene für 45 Tage in ein Hotel mit Rundum-Betreuung ziehen und innerhalb dieser 45 Tage einen Partner bzw. eine Partnerin finden. Gelingt ihnen das nicht, werden sie nach Ablauf der Frist in ein Tier ihrer Wahl transformiert und im Wald ausgesetzt. Sie können die Aufenthaltsdauer im Hotel verlängern, indem sie „Loners“ betäuben und einfangen – Menschen, die sich gegen ein Leben in Partnerschaft entschieden haben und in Grüppchen als Outsider durch die Wälder streifen. Und als wäre das alles nicht schon bizarr genug, finden sich die Paare über gemeinsame Merkmale wie ein hinkendes Bein oder Nasenbluten. Daraus resultiert dann ein lakonisches Kunstwerk, das zwischen bitter-zynischer Komödie, verstörender Dystopie und schwarzhumoriger Parabel über Beziehungssuche und das menschliche Bedürfnis nach Bindung changiert. Colin Farrell in der Hauptrolle spielt so gut wie noch nie zuvor, aber auch der Rest des Casts kann mit zurückhaltendem, nuanciertem Spiel überzeugen. Einige Szenen gehen massiv an die Nieren, und das Lachen bleibt dem Zuseher des Öfteren auch im Hals stecken. Ein Meisterwerk.


9,0
von 10 Kürbissen

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3 Kommentare

  1. Ich lese immer mal wieder völlig begeisterte Rezensionen zu THE LOBSTER, die ich allesamt nicht nachvollziehen kann. Dass die Grundidee toll ist, hat mich dazu bewogen den Film im Kino anzusehen, aber so richtig gezündet hat der bei mir nicht. Die Frage nach dem Sinn des großen Ganzen beschäftigt mich immer noch und ich habe noch keine Analyse zu diesem Film gelesen mit der ich mich anfreunden kann oder die nachvollziehbar wäre.

    Hier meine Kritik: http://adoringaudience.de/the-lobster-o-2015/

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    1. Ich habe gerade deine Kritik zu diesem Film gelesen, und ich glaube, dass genau dein am schärfsten vorgetragener Kritikpunkt, nämlich die fehlende Erklärung für das Funktionieren dieser von Lanthimos erdachten Welt, der Punkt ist, an dem sich die Geister scheiden. Ich finde den Film nämlich gerade deshalb so meisterhaft, weil er nichts erklärt und konstituiert, sondern den Zuseher mit diesen enorm starken, rätselhaften Bildern allein lässt. Gerade dass herkömmliche Regeln nicht gelten, bekommt Lanthimos die Freiheit, sich dem Thema Liebe/Beziehung auf eine abstrakt-philosophische Weise zu nähern. Oft hilft Verfremdung, Dinge klarer zu sehen – und so geht es mir mit den Filmen von Lanthimos, ob nun „The Lobster“, „Dogtooth“ oder „The Killing of a Sacred Deer“.

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