Marie Antoinette (2006)

Regie: Sofia Coppola
Original-Titel: Marie Antoinette
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Historienfilm, Biopic
IMDB-Link: Marie Antoinette


Led Zeppelin sangen 1971 die ikonischen ersten Textzeilen zu ihrem Opus magnum: „There’s a lady who’s sure / All that glitters is gold.“ Ob sie dabei auch an Marie Antoinette gedacht haben, ist nicht überliefert und wohl eher unwahrscheinlich. Dennoch lässt sich von dort leicht die Brücke zu Sofia Coppolas Biopic schlagen, denn dieser Song hätte durchaus auf dem offiziellen Soundtrack zu finden sein können. Immerhin sind New Order, Siouxsie and the Banshees, The Strokes und The Cure neben vielen Anderen dort vertreten. Wie passt nun Rockmusik mit dem Rokoko zusammen (außer, dass sie die erste Silbe miteinander teilen)? Grundsätzlich einmal erstaunlich gut. Auch wenn bei den Kostümen und der Ausstattung Wert auf Authentizität, oder sagen wir: Historizismus gelegt wurde, macht es gar nichts, wenn Bow Wow Wow diese historische Anmutung durchbrechen mit dem Ausruf „I want candy!“. In den besten Momenten akzentuiert die eingängige Pop- und Rockmusik die im Film unterstellte Oberflächlichkeit von Marie Antoinette (Kirsten Dunst). Dennoch hat man Mitleid mit dem Mädel. Denn ein einfaches Leben hat sie trotz allen Glitters nicht. Blutjung verheiratet von Wien nach Paris mit König Ludwig XVI. (Jason Schwartzman mit einer wundervoll lächerlichen Darstellung des überforderten Königs) soll sie einen Thronerben zeugen – was sich als recht schwierig herausstellt, wenn der männliche Part vor jeder Berührung zurückschreckt und die Königin morgens allein im Bett aufwacht. Heute würde man den Herrn vermutlich mit edler Reizwäsche und, wenn’s sein muss, pornographischem Bewegtbildmaterial nach persönlichem Gusto animieren, aber damals waren die Möglichkeiten halt begrenzt. Es erscheint unfair, dieses Dilemma allein der Königin anzulasten; nichtsdestotrotz geschieht das. Und so ist das Leben von Marie Antoinette am Hofe zwar ein luxuriöses, gleichzeitig aber auch sinnentleert und lieblos. Man hat Verständnis dafür, dass der Königin die Nöte der wahren Welt, die vor den Toren des Hofes kochen, verborgen bleiben. Ihr einziges Ziel ist die Einhaltung der höfischen Etikette und das Finden von ein klein bisschen Glück. Aber: Repräsentativ muss man sein und zeugungsfähig. Damit wäre das Jobprofil „Königin am französischen Hof“ ausreichend umrissen. Wie das Drama ausgeht, kennt man aus den Geschichtsbüchern, denn irgendwann hat das Volk halt genug von der Schere zwischen königlichem Luxus und bürgerlichem Elend. Nur schade, dass genau dieser Aspekt in Sofia Coppolas Film über weite Strecken gar nicht vorkommt und auch gegen Ende hin nur angedeutet wird. Stattdessen bleibt Coppola ganz in der glitzernden Scheinwelt der Königin; diese wird niemals durchbrochen. „And as we wind on down the road / Our shadows taller than our soul / There walks a lady we all know / Who shines white light and wants to show / How everything still turns to gold.“ Marie Antoinette wird damit in gewisser Weise ihre Unschuld zurückgegeben, sie ist ein Opfer ihrer eigenen Lebensumstände. Besonders interessant ist diese Ausrichtung auf das Zeremoniell, auf dieses Nicht-Leben für den Zuseher allerdings nicht. So weist der Film dann auch seine Längen auf. Trotz eines gut gelaunten Casts und eines Soundtracks, der gut ins Ohr geht. (Auch wenn Led Zeppelin fehlt.)


5,5
von 10 Kürbissen

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