Das Mädchen aus dem Norden (2016)

Regie: Amanda Kernell
Original-Titel: Sameblod
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama
IMDB-Link: Sameblod


Seit einer Woche hat das Filmcasino in Wien nach der Übernahme des Filmhauses am Spittelberg einen neuen Ableger. Gemütliche Atmosphäre, sympathische Mitarbeiter, die mit allem noch ein bisschen überfordert sind (wird schon noch) und auf der Playlist der angeschlossenen Bar Joy Division, The Breeders und Fugazi. Feels like home. Mein Einstand war nun „Sameblod“ aus Schweden. Wir wissen ja seit Hans Huber: Die Schweeeeeeden sind ein ganz harter Brocken! Trifft das nun auch auf Amanda Kernells ersten Langfilm zu? Ein Schwergewicht ist „Sameblod“ jedenfalls, was Filmpreise und Auszeichnungen betrifft. Venedig, Tokyo, Göteborg, Thessaloniki, Seattle – das ist nur ein Auszug der Festivals, die den Film mit einem oder mehreren Preisen ausgezeichnet haben. Und nach Sichtung des Films kann ich sagen: Das ist absolut nachvollziehbar. Denn „Sameblod“ ist ein gut gemachtes, vor allem exzellent gespieltes Drama, das sich mit der Geschichte der Samen, der Indigenen des Nordens Europas, auseinandersetzt und die Unterdrückung und den Rassismus, der ihnen u.a. in Schweden lange Zeit widerfahren ist, ohne Übertreibungen und Dramatisierungen sichtbar macht. Die großartige Newcomerin Lene Cecilia Sparrok spielt das Samenmädchen Elle-Marja, das nicht länger seinem Volk angehören möchte und davon träumt, in die Stadt zu gehen. Widerstand stößt es dabei auf allen Seiten: Das Unverständnis der Mutter, der Rassismus der Schweden, die Überheblichkeit ihrer Lehrerin, das Zerwürfnis mit der Schwester. Dennoch geht sie mutig ihren Weg, nabelt sich dabei von ihrer Kultur ab auf der Suche nach einem besseren Leben. Doch kann man das alte Leben und die Kultur, in der man aufgewachsen ist, sogar den Namen so einfach abstreifen? Amanda Kernell gibt dazu kein klares Statement ab. Auch am Ende, wenn sich der Kreis schließt und die alte Elle-Marja (Maj-Doris Rimpi mit einer unfassbar physischen Präsenz), die nach ihrem Fortgang den Rest ihres Lebens nur noch als Christina bekannt war, zur Beerdigung ihrer Schwester ins Land der Samen zurückreist, gibt es keine klaren Antworten, nur die Verwundungen eines Lebens, die sich in den Augen spiegeln. Was vielleicht ein wenig zu kurz kommt, ist die historische Anmutung. Der Hauptteil der Handlung spielt in den 30er Jahren, und davon ist nicht viel zu spüren. Auch auf das Leben der Samen wird nicht wirklich eingegangen, hier fehlt vielleicht das eine oder andere kleine Puzzleteil zu einem noch besseren Verständnis des Films, aber dennoch ist „Sameblod“ sehr eindringlich und gut gemacht. Ein würdiger Auftakt für das neue Filmhaus am Spittelberg.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm)

Ein Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s