Miracle (2017)

Regie: Egle Vertelyte
Original-Titel: Stebuklas
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Stebuklas


Dieser Tage läuft in Wien das LET’S CEE Film Festival, das seinen Schwerpunkt auf zentral- und osteuropäische Filme legt. Gemeinsam mit fünf weiteren Cineasten fand ich mich also am Sonntagnachmittag im Kino meines Vertrauens ein, um den litauischen Film „Stebuklas“ zu sehen. Dieser erzählt die Geschichte von Irena, Besitzerin einer Schweinefarm, die 1992, kurz nach dem Ende des Kommunismus, vor dem Bankrott steht. Da kommt der aus den USA nach Hause zurückgekehrte Bernardas mit seinen Dollars gerade recht. Der kauft Irena und ihren Teilhabern/Mitarbeitern kurzerhand die Farm ab. Der Grund, den er anführt: Auf dem Grundstück, wo sich nun die Farm befindet, war früher das Haus seiner Eltern, und er wolle den Betrieb in Gedenken an seine verstorbenen Eltern weiterführen. Doch natürlich ist nichts so, wie es scheint – der Mann hat ganz Anderes im Sinn, wie Irena, die sich ihm auch auf zwischenmenschlicher Ebene allmählich ein wenig annähert, schon bald feststellen muss. Beim Ansehen von „Stebuklas“ fielen mir zwei andere Filme ein, die in Teilaspekten deutliche Parallelen zu Egle Vertelytes Film aufweisen: „Satanstango“ von Bela Tarr und „The Treasure“ von Corneliu Porumboiu. In Ersterem ist die Parallele, das ein armes Landvolk sich von der Aussicht auf Erlösung in Form eines Fremden, der ins Dorf kommt, blenden lässt und diesem allzu bereitwillig folgt. Zweiterer ist inhaltlich nah dran an „Stebulkas“. Alle drei Filme, so unterschiedlich sie auch sind, vereint, dass sie die Nöte von Osteuropäern in prekären wirtschaftlichen Lagen sichtbar machen und auf ihre Weise einen Kommentar zu den Verheißungen des Kapitalismus abgeben, die sich letztlich für diese Menschen nicht erfüllt haben. In „Stebulkas“ erfolgt dies zuweilen mit den Mitteln der Komödie. Auch wenn ich den Film nicht als rasend komisch beschreiben würde, so finden sich zwischendurch doch immer wieder Szenen, die zum Schmunzeln anregen. Diese stehen allerdings neben sehr zynischen Szenen, die die Stimmung doch eher gedämpft halten. An sich wäre der Film eine solide Sache, in den Charakterzeichnungen vielleicht ein wenig arg übertrieben (und für eine Satire doch wieder nicht genug), aber trotzdem recht sehenswert, wäre da nicht das Ende. Ich weiß, dass in Litauen die Religion eine große Rolle spielt, und das Wunder kommt schließlich auch im Titel vor, aber, ganz ehrlich, am Ende torpediert der Film seine eigene sozialkritische Position und fährt die Geschichte mit einem fürchterlichen Erlösungs-Twist an die Wand. Nicht nur, dass in meinen Augen dieses Ende völlig unnötig ist – es wertet auch noch die bis dahin starke Hauptprotagonistin ab. Dafür gibt es Abzüge in der B-Note. Dass der Film trotzdem nicht mehr Zuseher gefunden hat und von sechs Zusehern am Ende zum Q&A mit einem der Darsteller nur noch zwei da waren (eine Litauerin mit Heimweh und der Kürbis eures Vertrauens), hat er dennoch nicht verdient. Also, Leute, rafft euch auf und seht euch die Filme des LET’S CEE-Festivals an!


4,5
von 10 Kürbissen

(Foto: LET‘S CEE Film Festival)

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