Something Useful (2017)

Regie: Pelin Esmer
Original-Titel: İşe Yarar Bir Şey
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Roadmovie
IMDB-Link: İşe Yarar Bir Şey


Regisseurin Pelin Esmer meinte einmal über ihre Filme, sie würde diese nicht in Prosa drehen, sondern in Poesie. Nachdem ich „Something Useful“ gesehen habe, glaube ich zu wissen, was sie damit meint. Denn vorrangig ist „Something Useful“ ein ästhetischer, aber dennoch konzentrierter Film. Die gleichen Merkmale weist auch ein gutes Gedicht aus: Ästhetik und Fokus. Erzählt wird die Geschichte einer Zufallsbekanntschaft während einer langen Bahnfahrt. Die Dichterin Leyla ist auf dem Weg zu einem Klassentreffen, dem ersten, an dem sie überhaupt teilnimmt. Im Zug lernt sie die junge Krankenschwester Canan kennen, die davon träumt, Schauspielerin zu werden. Zunächst muss sie aber einen pikanten Auftrag erfüllen, denn ein Bekannter hat sie gebeten, Sterbehilfe bei seinem besten Freund zu leisten, nachdem er selbst an dieser Aufgabe gescheitert ist. Und so soll Canan dem vom Hals abwärts gelähmten Yavuz die tödliche Spritze setzen. Das junge Mädchen, das zwischen Pflichtgefühl, Mitleid und Angst hin- und hergerissen ist, vertraut sich Leyla an, und die entschließt sich, Canan zu begleiten. Die Begegnung der beiden Frauen mit dem gelähmten Sterbenswilligen bietet einige der besten Dialogmomente auf, die ich in diesem Jahr bislang genießen durfte. Auch das Davor, die Reise der beiden Frauen, ist größtenteils interessant und immer wieder von Metaphern begleitet – seien es Spiegelungen, wenn Leyla aus dem Zugfenster nach draußen blickt und dabei sich selbst sieht, oder Graffitis von Raben, den Todesvögeln, die scheinbar in jedem Bahnhof auftauchen. Zwar braucht die Geschichte ein wenig Zeit, um in Fahrt zu kommen, aber allein schon das wundervolle Ende entschädigt für die gelegentlichen Längen davor. Auch schauspielerisch gibt es nichts zu bemäkeln. „Something Useful“, mein vierter und letzter Film des diesjährigen LET’S CEE Film Festivals, ist ein langsamer, und ja: poetischer Film, für den man ein wenig Geduld mitbringen sollte, die hier aber gut investiert ist.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: LET‘S CEE Film Festival)

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