Eddie the Eagle – Alles ist möglich (2016)

Regie: Dexter Fletcher
Original-Titel: Eddie the Eagle
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Biopic, Sportfilm
IMDB-Link: Eddie the Eagle


Ich gebe zu: Ich habe ein Herz für Außenseiter-Geschichten über Menschen, die es vielleicht nicht ganz an die Spitze schaffen, aber mit Mut und Willensstärke der Welt beweisen, wie viel Größe in uns steckt, wenn wir an uns glauben. Ich liebe diese Momente des Triumphes und der Anerkennung. Und auch wenn ich kein leidenschaftlicher Skisprung-Fan bin, so verfolge ich diesen Sport doch schon seit meiner Kindheit mit Interesse und habe auch eine gewisse Ahnung davon. So gesehen war es klar, dass ich irgendwann „Eddie the Eagle“ sehen muss, die Biographie von Michael „Eddie“ Edwards, der 1988 Skisprung-Geschichte geschrieben hat als erster britischer Skispringer bei Olympia. Auch wenn ich mich selbst nicht mehr an Eddie the Eagle und seine legendären, viel umjubelten Sprünge erinnern kann, so ist mir seine Geschichte dennoch ein Begriff. Auf Youtube finden sich glücklicherweise einige Videos mit den besten Momenten in Eddies Karriere. Und was war das für eine faszinierende Persönlichkeit! Man muss sich das einmal vorstellen: Inmitten all der mageren, durchtrainierten Skisprung-Stars, die schon seit Kindesalter an diesen Sport leben, taucht ein leicht untersetzter Brite mit Brillengläsern so dick wie Aquarienbecken auf, der gerade einmal vor kurzem mit dem Sport begonnen hat, da er darin eine Chance gesehen hat, seinen Traum von den Olympischen Spielen zu verwirklichen – da es sonst innerhalb Großbritanniens keine Konkurrenz gab. Und dieser Mann nimmt sein Herz (und seine Cojones) in die Hand und schmeißt sich vom Bakken hinunter in dem Wissen, dass ihn der kleinste Fehler (und er ist weit davon entfernt, fehlerfrei springen zu können) ins Krankenhaus bringen wird. Herz, was willst du mehr? „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“ zeichnet nun mit den klassischen (und überraschungsfreien) Mitteln eines Biopics diese unglaubliche Geschichte nach. Dass der Film trotz der guten Ausgangslage, den er bei mir hatte, bei mir dennoch nicht gezündet hat, ist einfach erklärt: Zum Einen ist die Geschichte zu frei interpretiert. Ja, man muss bei Verfilmungen biographischer Ereignisse immer zu dramaturgischen Kniffen greifen, um das Publikum nicht mit Redundanzen und Leerstellen, die ein Leben eben auch beinhaltet, zu langweilen und die Realität in das Spielfilmformat hineinzuschneiden. Aber wenn nur etwa 5% des Gezeigten mit der Realität übereinstimmen (dies eine Aussage von Eddie Edwards, nachdem er den Film gesehen hat), kann man nicht mehr von kleinen dramaturgischen Anpassungen sprechen, sondern schlicht einer Verfälschung der Ereignisse. Kann man ja machen, nur sollte man das dann nicht mehr als die wahre Geschichte von Eddie the Eagle vermarkten. Ein zweiter Faktor ist die Schauspielleistung. Taron Egerton bemüht sich sehr, diesen schrägen Typen Eddie the Eagle zu verkörpern, verzerrt ihn aber bis zur Karikatur. Und Hugh Jackman spielt routiniert und gelangweilt und fügt dem Film so keinen echten Mehrwert hinzu. (Davon abgesehen ist gerade seine rein fiktive Figur das für mich Problematischste an der Geschichtsverzerrung, denn plötzlich werden die Erfolge, die eine historische Person gefeiert hat, einem fiktiven Charakter mit zugeschrieben.) Natürlich kann man sich „Eddie the Eagle“ dennoch gut ansehen – es ist ein routiniert gemachtes Wohlfühlkino für einen entspannten Sonntagabend. Und das Ende sorgte bei mir für eine Gänsehaut – was eben auch daran liegt, dass ich ein Faible für diese Außenseiter wie Eddie the Eagle habe. Ein richtig guter Film ist das aber nicht geworden.

Übrigens scheint Calgary 1988 ein guter Nährboden gewesen zu sein für spektakuläre Außenseiter-Geschichten. „Das geht über eure Vorstellungskraft: Jamaica hat ’ne Bob-Mannschaft!“ Aber das ist eine andere Geschichte.

Dieser Film ist als Reiseetappe # 40 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


5,0
von 10 Kürbissen

Advertisements

7 Kommentare

  1. Für mich ein Film der genau das bietet, was man von ihm erwartet: Eine interessante, mitreißende Geschichte, die man zwar nich allzu ernst nehmen sollte, die aber doch berührt. Wie du schon sagtest….Ein Film zum Wohlfühlen. Ich fand auch Christoher Walken ganz hervorragend….aber das ist er ja (fast) immer….Schönen Sonntag noch

    Gefällt 1 Person

    1. Christopher Walken ist sowieso immer grandios, auch wenn er, so wie hier, nur eine Minirolle hat. Aber dennoch: Mich haben diese enormen Abweichungen von der realen Geschichte schon sehr gestört. Die Szene beispielsweise, in der die von Hugh Jackman gespielte Figur rauchend in Straßenkleidung von einer K90-Schanze springt, war dermaßen lächerlich, dass es ärger nicht mehr geht. Als Skisprung-Interessierter fühlte ich mich dabei echt verarscht. Aber wenn man nicht so den Bezug zum Sport hat und die Geschichte von Eddie the Eagle vorher nicht gekannt hat, ist der Film vermutlich eh ganz in Ordnung. Da bin ich vielleicht ein bisschen zu kritisch, das mag sein.

      Gefällt mir

      1. „Die Szene beispielsweise, in der die von Hugh Jackman gespielte Figur rauchend in Straßenkleidung von einer K90-Schanze springt, war dermaßen lächerlich, dass es ärger nicht mehr geht.“ Genau die Szene ist mir auch sehr negativ in Erinnerung geblieben. Insagesamt fand ich den Film etwas besser als du. Trotzdem denke ich auch, dass etwas mehr Realitätsbezug wünschenswert gewesen wäre.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s