Cobain (2018)

Regie: Nanouk Leopold
Original-Titel: Cobain
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama
IMDB-Link: Cobain


Der fünfzehnjährige Cobain heißt Cobain, weil seine Mutter Mia schon vor der Geburt nicht unbedingt sehr viel an ihr Kind, sondern hauptsächlich an sich selbst gedacht hat. „Warum nennt man sein Kind nach einem, der sich erschossen hat?“, fragt Cobain zu Recht. Immerhin hat er kein Drogenproblem – das erledigt schon seine Mutter für ihn. Die im Übrigen mal wieder schwanger ist, was sie allerdings nicht davon abhält, viel zu viel zu rauchen, zu trinken und sich noch deutlich ungesündere Substanzen zuzuführen. Noch dazu verschwindet Mia gerne mal. Cobain, wenn er nach ihr sucht, findet sie dann meistens auf der Couch irgendwelcher Junkies. So gesehen ist „Cobain“ so etwas wie ein Gegenstück zu „Die beste aller Welten„, in dem es ebenfalls um eine von Drogen kontaminierte Mutter-Sohn-Beziehung geht. Doch während sich in Adrian Goigingers Kindheitsaufarbeitung die Mutter nach Kräften bemüht, ihrem Sohn trotz aller Probleme eine glückliche Kindheit zu schenken, hat Mia in Nanouk Leopolds Film nicht das leiseste Interesse an Berührungspunkten. Gleich zu Beginn stellt sie klar: „Du bist okay, ich bin okay, wir kümmern uns um uns selbst.“ Niemand ist hier aber okay. Weder Mia noch Cobain, der gerne ein intaktes Familienleben hätte. Immer wieder sucht Cobain die Nähe seiner Mutter, versucht, ihr gegen alle Widerstände zu helfen, um vielleicht doch noch die kleine, wenn auch unwahrscheinliche Chance auf einen Funken Normalität zu wahren. Nanouk Leopold erzählt in ruhigem, unaufgeregtem Tempo die Geschichte eines Jungen, der sich nicht von seiner Mutter lösen kann. In wackeligen Bildern der Handkamera, die immer ganz nah dran ist an Cobain, zeigt sie die zerstörerische Kraft der Liebe. Das Ende ist heftig, aber auch konsequent. „Cobain“ ist nicht über die volle Laufzeit stets gleichermaßen interessant und auch nicht immer klischeefrei, hallt aber dennoch nach und gehört schon mal zu meinen ersten Highlights des Crossing Europe Festivals 2018.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: CROSSING EUROPE Filmfestival Linz)

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