Duty (2017)

Regie: Annemarie Jacir
Original-Titel: Wajib
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Komödie
IMDB-Link: Wajib


Mein letzter Festival-Film des diesjährigen Crossing Europe Film Festivals in Linz spielt wieder in Israel, und wieder, wie auch in „Namrud (Troublemaker)“ geht es um die palästinensische Gemeinschaft. Shadi ist aus Italien zurückgekehrt in die alte Heimat, die er schon seit Jahren nicht mehr gesehen hat, um seinem Vater bei der Organisation der Hochzeit seiner Schwester zu helfen. Der Film konzentriert sich dabei auf einen Tag, an dem die beiden die offiziellen Einladungen zustellen. Das muss persönlich erfolgen, denn das ist „Wajib“, also die Pflicht des Vaters, der die Hochzeit ausrichtet. Vater und Sohn kommen gut miteinander aus, doch bald werden die Gräben sichtbar, die im Laufe der Jahre durch die unterschiedlichen Lebensweisen entstanden sind. Während der Vater sein ganzes Leben lang in Israel gelebt hat und gelernt hat, sich den Gepflogenheiten und Verpflichtungen, die man als Palästinenser im Land hat, anzupassen, findet sich der Sohn, vom westlichen Leben in Italien geprägt, nur schwer zurecht inmitten der Rituale, die notwendig sind. Diese sind zum Einen kulturell geprägt, zum Anderen zum Teil auch pragmatisch. So muss der Israeli Ronnie Avi zur Hochzeit eingeladen werden. Der Vater bezeichnet Ronnie Avi als alten Freund, der Sohn als Spitzel des israelischen Geheimdienstes, der hauptverantwortlich dafür war, dass er damals das Land verlassen musste. Doch die Einladung von Ronnie Avi ist nicht der einzige Streitpunkt zwischen Vater und Sohn. Der Sohn lebt in Italien in einer glücklichen Beziehung und denkt nicht an die dauerhafte Rückkehr in die Heimat, der Vater hätte gern, dass er hier wieder sesshaft wird und eine Einheimische heiratet. Auch über den Hochzeitssänger wird lauthals gestritten. Und über die Mutter, die in den USA lebt, nachdem sie die Familie verlassen hat. Und nun liegt ihr zweiter Ehemann im Sterben und es ist unklar, ob sie zur Hochzeit kommen kann – was der Vater persönlich nimmt. All diese Konflikte und Reibereien werden aber mit viel Humor vorgetragen, und es ist klar, dass die beiden, Vater und Sohn, trotz aller Unterschiede viel Liebe füreinander empfinden. Und das ist die große Stärke des Films: Er ist wunderbar menschlich und zeigt die Protagonisten mit Stärken und Schwächen, aber im ehrlichen Bemühen, miteinander gut auszukommen. Auf einer subtilen Ebene wird auch vom Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern erzählt. Aber das Herzstück des Films ist die Vater-Sohn-Geschichte und die Annäherung der beiden, wie sie versuchen, ihre beiden Welten in Einklang zu bringen und sich neu kennenzulernen. Und das zeigt Annemarie Jacir mit viel Einfühlungsvermögen, ehrlichen Charakteren, einer Prise Humor und einem guten Gefühl für Rhythmus, denn auch wenn der Film ruhig und unspektakulär erzählt wird, ist er nie auch nur einen Moment lang uninteressant oder gar langweilig. Ein weiteres Festival-Highlight zum Abschluss.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: CROSSING EUROPE Filmfestival Linz)

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