Namrud (Troublemaker) (2017)

Regie: Fernando Romero-Forsthuber
Original-Titel: Namrud (Troublemaker)
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Namrud (Troublemaker)


Nach „Lucica und ihre Kinder“ und „A Woman Captured“ war „Namrud (Troublemaker“ nun der dritte Dokumentarfilm in Folge, in dem die persönliche Beziehung zwischen  dem Filmschaffenden und der gefilmten/porträtierten Person dem Film eine zusätzliche Komponente hinzufügt. Jowan Safadi, der Held von Fernando Romero-Forsthubers Film, ist nämlich ein guter Freund des Filmemachers. Dieser hat den Palästinenser Jowan in seiner Heimat Haifa besucht. Jowan gehört der arabischen Minderheit des Landes an. Mit seiner Musik versucht er, die Alltagsdiskriminierung, die dem Volk der Palästinenser widerfährt, aufzuzeigen und gleichzeitig aber auch Brücken zu schlagen. Ein Song, den er auf Hebräisch veröffentlicht und in dem er die jüdische Bevölkerung direkt adressiert, sorgt für einigen Wirbel. Der Film zeichnet die Entstehungsgeschichte des Songs bis zu einem Konzert in Jerusalem nach. Gleichzeitig zeigt Romero-Forsthuber aber auch die Beziehung zwischen Jowan und seinem Sohn Don, der lange Zeit in den USA gelebt hat. Sowohl Jowan als auch Don sind progressive, weltoffene Menschen, die gerne die Restriktionen, die durch Nationalismus in unserer Gesellschaft entstehen, überwinden möchten, die aber aus ihrer eigenen persönlichen Lebenserfahrung heraus knapp davor stehen, zu resignieren. „Palästina ist tot“, meint einmal Don bei einem Strandspaziergang. Und wenn man sich die verhärteten Fronten im Nahen Osten ansieht, glaubt zu begreifen, wie ein unmittelbar Betroffener zu dieser Einschätzung kommt. Jowan weiß, dass seine Musik nicht viel ändern wird, aber sie ist sein Mittel, um mit den Umständen zurecht zu kommen, um sein eigenes, persönliches Zeichen zu setzen. Das alles ist durchaus interessant – da sowohl der Riss durch die Gesellschaft spürbar gemacht wird als auch die Momente gezeigt werden, in denen die Menschen zusammenfinden – und wenn es auch nur für einen Abend bei einem Konzert ist. Allerdings ist der Film durch seinen engen Fokus auf Jowan recht einseitig. Es wird die Gemeinschaft der arabischen Palästinenser gezeigt – weniger aber das direkte Zusammenleben, die Repressalien des Alltags, auch kommen keine jüdischen Stimmen zu Wort. So ist „Namrud (Troublemaker)“ ein interessantes Künstlerporträt, aber nicht unbedingt ein Film, der den Konflikt in Israel breiter beleuchtet.


6,0
von 10 Kürbissen

(Foto: CROSSING EUROPE Filmfestival Linz)

2 Kommentare

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