Triumph des Willens (1935)

Regie: Leni Riefenstahl
Original-Titel: Triumph des Willens
Erscheinungsjahr: 1935
Genre: Dokumentation, Propagandafilm
IMDB-Link: Triumph des Willens


Aus der Reihe „Filme, die ich mir angesehen habe, damit ihr sie nicht ansehen müsst“: Leni Riefenstahls Propagandafilm „Triumph des Willens“, der den Reichsparteitag 1934 nutzt, um Hitler und die NSDAP ins rechte Licht zu rücken. Warum sieht man sich zwei Stunden lang Nazi-Propaganda an? Nun, zum einen deckt der Film tatsächlich eine Aufgabe der Filmreisechallenge ab, zum anderen gehört er zu den einflussreichsten Filmen des 20. Jahrhunderts, da viele technische und handwerkliche Aspekte wegweisend für weitere Filme waren. Selbst George Lucas hat sich für „Krieg der Sterne“ von der Ästhetik des Films inspirieren lassen. Filmhistorisch gesehen ist also Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“ durchaus von Bedeutung. Gleichzeitig interessierte mich die Frage, wie ich selbst aus heutiger Sicht einen solchen Propagandafilm aufnehmen würde, mit welchen Methoden und Bildern damals gearbeitet wurde, um Menschen zu manipulieren, und was diese Bilder mit mir selbst machen würden. Und ja, es war interessant zu sehen, wie sich die NSDAP in diesem Film selbst inszenierte und verherrlichte – und man kann durchaus Parallelen zu Inszenierungen und Worthülsen heutiger Rechtspopulisten ziehen. Von daher gehört der Film eigentlich – von einem fachkundigen Lehrer mitkommentiert – in jeden Geschichtsunterricht aufgenommen. Auch wenn plumpe Propaganda wie in „Triumph des Willens“ so heute nicht mehr funktionieren würde, lassen sich gewisse Mechanismen in einer subtileren Weise auch heute noch entdecken, wenn man genau hinsieht. Mitunter ist „Triumph des Willens“ aber auch eine sehr ermüdende Angelegenheit, vor allem, wenn die Wehrmacht in einer Parade eine halbe Stunde lang am Führer vorbeitanzt (an dem Punkt habe ich mich gefragt, ob sich der Adi dabei genauso gelangweilt hat wie ich). Und über den Inhalt der Reden kann man getrost den Mantel des Schweigens breiten. Mit dem Wissen der heutigen Zeit lassen sich zwischen den Zeilen vielleicht noch interessante Andeutungen und Androhungen der Schrecken, die drei Jahre später Realität wurden, herauslesen, aber ansonsten ist das alles der übliche Nazi-Dreck á la „niemand kann uns aufhalten“. Insgesamt ist „Triumph des Willens“ eine ambivalente Geschichte: Technisch und handwerklich sicherlich herausragend, inhaltlich übelster Propagandamist, den man kaum zwei Stunden lang ohne gröbere Schmerzen durchhalten kann. So kommt dann auch meine Bewertung zustande (und die „Auszeichnung“, als einziger Film keine Bewertung zu erhalten, wollte ich diesem Mist nicht gönnen). Die 3 Kürbisse bekommt der Film ausschließlich für seine bahnbrechenden Kamerafahrten und innovativen Beleuchtungskonzepte. Auf den hier üblichen eingebetteten Trailer verzichte ich an dieser Stelle im Übrigen – aber ein Ausschnitt aus einer der bekanntesten Reden Hitlers aus dem Film darf es schon sein.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 13 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


3,0
von 10 Kürbissen

2 Kommentare

  1. „Nun, zum einen deckt der Film tatsächlich eine Aufgabe der Filmreisechallenge ab, zum anderen gehört er zu den einflussreichsten Filmen des 20. Jahrhunderts, da viele technische und handwerkliche Aspekte wegweisend für weitere Filme waren.“

    Diese Aufgabe ist wirklich ziemlich grenzwertig. Trotzdem war der technische und handwerkliche Aspekt der Grund warum sie den Weg in die Challenge gefunden hat. Man muss ja nicht mit dem Inhalt des Films einverstanden sein ;)

    Gefällt 2 Personen

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