Am Strand (2017)

Regie: Dominic Cooke
Original-Titel: On Chesil Beach
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: On Chesil Beach


England 1962. Das junge Paar Florence (Saoirse Ronan – und zum ersten Mal konnte ich ihren Vornamen richtig schreiben, ohne ihn vorher zu ergoogeln – wird aber auch Zeit, denn sie ist eine der besten Darstellerinnen überhaupt, die es derzeit auf den Leinwänden dieser Welt zu bewundern gibt) und Edward (Billy Howle) ist frisch vermählt und beginnt seine Flitterwochen in einem gediegenen Hotel am Strand. Der Anfang ist holprig, es liegt trotz der gegenseitigen Liebesbeteuerungen eine Spannung in der Luft, und schon bald wird klar, dass die beiden vor ihrer Heirat noch nicht miteinander geschlafen haben und die Sache nun hochgradig nervös angehen. Immer wieder geraten auch ihre Erinnerungen dazwischen, ans Kennenlernen, an die Schritte ihrer Beziehung. Ja, es ist eine sehr romantische Liebe, die hier gezeigt wird, aber auch eine der Gegensätze und Momente der Distanz, und schon bald fragt man sich als Zuseher, ob die beiden vielleicht nicht ein wenig überstürzt den Bund der Ehe eingegangen sind. Deutlich wird diese Frage aufgezeigt in dem Moment, in dem es im Bett zum ersten Mal zur Sache gehen soll, aber nun werden allmählich Wahrheiten angedeutet, die bislang immer verschwiegen wurden. „Am Strand“ ist ein Lehrbeispiel für fehlende oder zumindest fehlgeleitete Kommunikation. Was anfangs noch für fröhliches Glucksen im Saal sorgte, weil sich die beiden Turteltauben allzu patschert anstellen, wechselt immer mehr zu einem fassungslosen Bemitleiden angesichts der hilflosen Blicke und Gesten und des Unvermögens, das für alle Offensichtliche anzusprechen. Ronan und Howle liefern denkwürdige und oft sehr subtile Performances ab. Hier wird mehr über Bewegungen und das Verkrampfen von Körpern erzählt als durch Worte selbst. Ganz große Schauspielkunst und ein herausragendes Drehbuch! Was mir allerdings missfallen hat, ist, dass die Nebenfiguren oft nur zu Karikaturen gereichen und blass bleiben. Was in der Paarbeziehung so subtil erzählt wird, wird bei diesen Nebenfiguren plakativ kurz mit dem Hammer eingebläut. Und das ist schade. Ein wenig mehr Ausgewogenheit hier hätte dazu führen können, dass der Film einer meiner Highlights des Jahres wird. Aber auch so hat sich der Kinobesuch definitiv gelohnt. Das Ende ist bitter, wie nur das Leben selbst sein kann.


7,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Thimfilm)

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2 Kommentare

  1. Als ich die Inhaltsangabe las, dachte ich sofort….“Ach nee, was für ne Schnulze…“ Aber dann habe ich mir den eher zufällig, den Trailer angesehen…Und….. war total begeistert… Schöne Bilder, schönes Setting, berührende Atmosphäre und gute Darsteller…..Doch, ich glaube, da würde sich das Kinoticket sicherlich lohnen.

    Gefällt 1 Person

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