Weiner (2016)

Regie: Josh Kriegman und Elyse Steinberg
Original-Titel: Weiner
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Weiner


Anthony Weiner war ein aufstrebender und streitbarer Kongressabgeordneter der Demokratischen Partei. Seine Karriere geriet ins Stocken, als herauskam, dass er ein Foto seines … Wieners … an eine junge Dame verschickt hatte, die nicht identisch war mit seiner Frau. Er tritt zurück. Gut, jeder macht mal einen Fehler, seine Frau hat ihm vergeben, die Öffentlichkeit kann es auch, also startet er zwei Jahre später überraschend erfolgreich eine Kampagne, um Bürgermeister von New York zu werden. Die Umfragen sehen ihn zeitweise sogar auf Platz 1. Doch dann … na ja, der Mann kann es einfach nicht lassen. Klingt wie eine bissige Politiksatire, ist aber, und jetzt kommt’s, eine wunderbare Dokumentation realer Ereignisse. Gleich zu Beginn des schreiend komischen Films sieht man Anthony Weiner, wie er kopfschüttelnd und mehr zu sich selbst als in die Kamera sagt: „Das ist der Tiefpunkt. Ich mache eine verdammte Dokumentation über meinen Sexskandal.“ Zwei Dinge machen diese Doku zu etwas ganz besonderem: Zum einen die Intimität der Aufnahmen, die selbst das Familienleben mit seiner Frau Huma, engste Beraterin von Hillary Clinton, und seinem Sohn zeigen, und die Person Anthony Weiner selbst. Ein charismatischer und authentischer Politiker, der eben nicht mit allen Wassern gewaschen ist, im Grunde eigentlich sympathisch, voller Elan und toller Pläne, witzig, selbstironisch, aber mit dem Problem, dass er weder den Mund noch den Hosenstall zumachen kann, wenn es angebracht erscheint. Zum Zeitpunkt des Erscheinens der Dokumentation im Rahmen der Viennale 2016 hätte ich mir durchaus vorstellen können, dass ich ihn trotz allem hätte wählen können, wäre ich denn wahlberechtigt gewesen. Aber nun der tragische Appendix der ganzen Geschichte: Ende 2017 wurde er wegen Sexting mit einer Minderjährigen zu fast zwei Jahren Gefängnis verdonnert. Die Abgründe sind oft noch tiefer, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Dennoch: „Weiner“ ist eine wirklich großartige Dokumentation (vielleicht eine der besten der letzten Jahre) über menschliche Schwächen und die Rolle der Medien, wenn es die Schwächen von Prominenten betrifft, die zu Tage gefördert werden.


8,0
von 10 Kürbissen

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2 Kommentare

  1. Ich hatte von dieser Geschichte schon mal irgendetwas zu Zeiten des letzten US-Wahlkampfes gelesen.Einfach großartig. Die besten Geschichten schreibt immer noch das wahre Leben. Wenn der gesamte Film so gut ist, wie der Trailer, darf ich mit den nicht entgehen lassen. Gibt es den irgendwo zu streamen?

    Gefällt 1 Person

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