Persepolis (2007)

Regie: Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud
Original-Titel: Persépolis
Erscheinungsjahr: 2007
Genre: Animation, Biopic, Drama, Politfilm
IMDB-Link: Persépolis


Kind zu sein, aufzuwachsen und erwachsen zu werden ist per se schon mal eine unfassbar schwierige Übung. Doch das, was wir wohlstandsverwöhnten Rotzpippn in den Jahren vor, während und nach der Pubertät erleben, ist kein Vergleich zu Marjane Satrapis Aufwachsen. Die iranische Filmregisseurin erlebte als Kind die Islamische Revolution im Iran mit – mit allen negativen Auswüchsen, die die neu ausgerufene Republik in weiterer Folge so zeigte. Ihr Onkel wurde ermordet, viele Freunde verloren Familienmitglieder, die Regeln der patriarchischen Gesellschaft für Frauen wurden strenger und strenger, bis sie in offene Repressalien mündeten. Dem gegenüber steht die Freude am Leben, die sich in illegalen Feiern zeigt oder, wie bei Marjane, in der Liebe zu Hard Rock und Punk. Auch sind weder sie noch ihre Mutter oder Großmutter je um einen Spruch verlegen, wenn sie blöd angemacht werden. Doch die Zeiten sind gefährlich, und so beschließen ihre Eltern, Marjane nach Wien zu schicken, wo sie in Sicherheit aufwachsen soll. Marjane Satrapis Blick zurück ist ausgewogen und reflektiert – sie vergisst weder die guten, unbeschwerten Momente wie jene der völligen Verzweiflung. Dies alles wird mit einer wundervollen Lakonie in einfachen, aber effektiven Schwarz-Weiß-Zeichnungen erzählt. Auch geht Satrapi sehr selbstironisch mit ihrer Entwicklung um, mit den Entscheidungen, die sie gefällt hat, den guten wie den schlechten. Und sie begreift alles, was ihr zugestoßen ist, als Schritte in einem Entwicklungsprozess, der wohl nie abgeschlossen ist – wie es eben so ist im Leben. Das alles macht aus „Persepolis“ einen wirklich wunderbaren Coming of Age-Film mit einer klaren politischen und gesellschaftlichen Dimension, die den Film gerade für uns westliche Zuseher noch einmal zusätzlich hervorhebt über die meisten anderen guten Coming of Age-Filme. Unbedingt empfehlenswert, unabhängig davon, ob man sich für diese Art der Animation begeistern kann.


8,0
von 10 Kürbissen

2 Kommentare

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