303 (2018)

Regie: Hans Weingartner
Original-Titel: 303
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Liebesfilm, Roadmovie
IMDB-Link: 303


Jule ist 24, hat gerade eine Prüfung versemmelt und ist ungeplant schwanger, was noch kaum jemand weiß, vor allem nicht ihr Freund in Portugal. Jan ist ebenfalls 24, wurde gerade für ein Stipendium abgelehnt und möchte seinen leiblichen Vater in Spanien kennenlernen. Der Zufall führt die beiden zusammen, als Jule den Anhalter Jan mitnimmt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten stellen die beiden fest, dass sie sich trotz sehr gegensätzlicher Ansichten doch recht sympathisch sind und die Gesellschaft des jeweils Anderen genießen können. Und so wird aus einer kurzen Strecke die ganze Fahrt quer durch Europa auf die iberische Halbinsel. Und am Ende der Reise stellen sie fest, dass sie sich ineinander verliebt haben. Das ist „303“ von Hans Weingartner, und mehr an Inhalt ist hier tatsächlich nicht zu erzählen. Aber die Story ist nebensächlich. Viel mehr transportiert der Film ein Lebensgefühl, eine Stimmung, wie es sich anfühlt, Mitte 20 zu sein und sich zu verlieben. Die grenzenlose Freiheit wird zwar schon eingeengt durch die ersten Erschwernisse, die das Leben eben so mit sich bringt, aber man macht dennoch das Beste daraus. Das Kluge an dem Film ist, dass er keine kitschige Romanze abspult, sondern den beiden Protagonisten ein ehrliches Bemühen zugesteht, sich eben nicht ineinander zu verlieben. Jule hat einen Freund und ist, wie gesagt, schwanger. Jan hat persönliche Probleme, die er erst aufarbeiten möchten. Und in vielen Diskussionspunkten sind sie sehr unterschiedlicher Ansicht – was den Kapitalismus betrifft, die Liebe, den Sex. Aber setze zwei junge, sich sehr sympathische Menschen ein bis zwei Wochen lang in ein Wohnmobil und schaue, was passiert. Nämlich das, wovon „303“ erzählt. Man muss schon viel Sitzfleisch aufbringen, denn der Film nimmt sich mit 2,5 Stunden wirklich Zeit für seine Geschichte. Und man muss sich darauf einstellen, dass so gut wie nichts passiert, außer dass sich die Landschaft allmählich ändert. Das Herzstück des Films sind die Diskussionen und Gespräche der beiden Figuren und wie sie sich dadurch Schritt für Schritt aneinander annähern. Ein wunderschönes Roadmovie, bei dem die Zeit still steht. Und selten habe ich eine so gute Chemie zweier Darsteller gesehen wie in diesem Film. Mala Emde und Anton Spieker sind fantastisch zusammen. Ein Film, der die Seele streichelt.


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Thimfilm)

3 Kommentare

  1. … ein bissl Trivia : die Zwei gurken da übrigens in Weingartners eigenem 303er bis nach Portugal, die Dreharbeiten erfolgten während dieser Reise in chronologischer Form mit einem ganz kleinem Team – und ja : ein ganz famoses Casting !

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