Sehnsucht (2006)

Regie: Valeska Grisebach
Original-Titel: Sehnsucht
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Drama, Liebesfilm
IMDB-Link: Sehnsucht


Markus und Ella führen ein beschauliches, glückliches Leben am Brandenburger Land. Am Wochenende kommen Ellas Freundinnen zum Kuchen vorbei, Markus, der als Schlossermeister seine eigene Werkstätte hat, ist ein geschätztes, wenngleich auch ruhiges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Doch etwas ändert sich in der Dynamik (oder auch im Fehlen derselben) der Beziehung, als Markus eines Tages zu einem Verkehrsunfall hinzukommt. Es sind kleine Nuancen, die man als Zuseher auch nur erahnen kann, denn Valeska Grisebachs Film setzt mit dem Unfall ein. Und doch gibt es Momente, in denen man der vertrauten Beziehung des Ehepaars nicht so recht trauen kann. Wie groß sind die Worte, wenn Ella ihren Markus an den Händen fasst und ihm sagt, dass sie so große Sehnsucht nach ihm habe? Wie schal daraufhin seine Reaktion? Man spielt nach den Regeln, man bemüht sich, man liebt sich und will sich das zeigen, aber die Tonalität scheint nie so ganz stimmig zu sein. Als Markus auf einem Lehrgang seiner Feuerwehreinheit auf die Kellnerin Rose stößt, passiert das Undenkbare: Der ruhige, so bemühte und sympathische Schlosser findet sich morgens in ihrem Bett wieder. Und nun liebt er zwei Frauen: Ella und Rose. Mit beiden scheint er es ernst zu meinen, er ist hin- und hergerissen zwischen diesen beiden Ausprägungen derselben Liebe. Und so nimmt das stille Drama, das sich nur im Kleinen zeigt, seinen Lauf. Valeska Grisebach ist mir schon mit ihren Filmen Western und ihrem Debütfilm Mein Stern positiv aufgefallen. Wie niemand sonst gelingt es ihr, die Grenzen der Sprache und die hilflose Sprachlosigkeit ihrer Protagonisten aufzuzeigen – ein durchgängiges Thema in ihrem Werk. Man merkt ihren Figuren den guten Willen an, doch oft können sie sich nicht so verständlich machen, wie sie das gerne würden. Eindrücklich zeigt sich das in Markus‘ Schweigen. Er redet nicht viel, denn er weiß nicht, wie er das, was ihn beschäftigt, ausdrücken soll. Er handelt aber auch nicht zielgerichtet, denn er versteht sich ja nicht einmal selbst. So laufen die Dinge eben so, wie sie laufen – mit allen Konsequenzen. Dass am Ende eine Gruppe von Kindern zusammensitzt, um die Geschichte fertig zu erzählen, ist ein schönes und schlüssiges Bild. Denn die Kinder reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – unbekümmert und frei von Konventionen und sozialen Regeln, die unsere Kommunikation so oft hemmen.


7,5
von 10 Kürbissen

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