Zechmeister (1981)

Regie: Angela Summereder
Original-Titel: Zechmeister
Erscheinungsjahr: 1981
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Zechmeister


Der inszenierte, mit Schauspielern umgesetzte Dokumentarfilm „Zechmeister“ von Angela Summereder ist eine durchaus mühsame Angelegenheit, in die man als Zuseher etwas Aufwand hineinstecken muss. Denn die Nacherzählung eines Justizdramas aus dem Jahr 1948, als Maria Zechmeister beschuldigt wurde, ihren Mann, den Kriegsheimkehrer Toni Zechmeister, mit Rattengift ums Eck gebracht zu haben, bedient sich allerlei formaler Kniffe, die hart am Rande der der Unschaubarkeit manövrieren. Hier werden stolpernd aus dem Off Sätze gesprochen, die so klingen, als würde sie ein Erstklässler vom Blatt ablesen. Oder die Kamera hält mal minutenlang auf das dahinfließende Wasser eines Flusses, während aus dem pathologischen Bericht vorgelesen wird. Maria Zechmeister, die Hauptfigur, ist erst gar nicht zu sehen, nur ihre Stimme hört man gelegentlich, wenn sie ihre Geschichte erzählt. Und die hat es in sich: Denn sie wird wegen Mordes angeklagt und verurteilt, ohne dass das Gericht tatsächlich Beweise vorlegen könnte für ihre Schuld. Und je tiefer Angela Summereder bohrt, desto unklarer wird das Bild. Die formalen Spielereien, die eben auch manchmal nerven können, v.a. wenn man nicht konzentriert bei der Sache bleibt, unterstreichen die Farce, die dieser Justizfall anno dazumals abgegeben hat. Man fühlt sich stellenweise an Kafkas „Prozess“ erinnert. Das ist durchaus beabsichtigt und verfehlt seine Wirkung nicht – vorausgesetzt, man lässt sich auf diese surreale Weise, die Geschichte zu erzählen, als Zuseher tatsächlich ein. So gesehen ist „Zechmeister“ definitiv kein Film für ein besonders breites Publikum, und ich kann auch verstehen, wenn man nach zehn Minuten die Kiste abdreht, aber wenn man dranbleibt und diese surrealen Kapriolen akzeptiert, wird man die Mühe mit einem wirklich interessanten Dokumentarfilm belohnt, der viel über Macht und Ohnmacht im Österreich der Nachkriegsjahre aussagt.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Stadtkino Filmverleih)

2 Kommentare

  1. Schade, dass der in dieser Doku dargestellte, interessante Fall, durch die Art der filmischen Umsetzung offenbar zu einem solch nervenaufreibenden „Kunstwerk“ verkommt. Manchmal ist sachlich realistisch vielleicht dann doch besser😊

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    1. Ja und nein. Einerseits finde ich die Umsetzung interessant, und gerade die trägt eben zu diesem Kafka-Feeling bei. Aber ich gebe dir Recht – die Geschichte hätte man auch geradliniger verfilmen können, der Spannung hätte das gut getan.

      Gefällt 1 Person

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