The Rider (2017)

Regie: Chloé Zhao
Original-Titel: The Rider
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Drama, Western
IMDB-Link: The Rider


Wenn man nur den ersten Satz des Wikipedia-Eintrages zu „The Rider“ liest, in dem der Plot kurz zusammengefasst wird, könnte man meinen, dass es sich hierbei um eine Art „Der Pferdeflüsterer“ für Erwachsene handelt. Einen Rodeo-Reiter schmeißt es dermaßen deppert aus dem Sattel, dass er das Reiten aufgeben muss – woran er logischerweise erst mal zu knabbern hat. Allerdings wären alle Assoziationen mit equinen Selbstfindungstrips a la „Der Pferdeflüsterer“ viel zu kurz gegriffen. Denn „The Rider“ ist vor allem erst einmal ein sehr stilles, fast meditatives Drama, das eine Subkultur einer Subkultur zeigt – Rodeoreiter in einem Indianerreservat, wobei die alten Klischees zwischen Cowboy und Indianer auf eine wundersame Weise verschmelzen oder viel mehr: sich auflösen. Der nächste interessante Aspekt des Films ist, dass Chloé Zhao, die Regisseurin, keinerlei Wert auf die Exploitation des fatalen Sturzes legt. Der Film setzt ein, als die Wunden des Rodeo-Reiters Brady schon langsam zu verheilen beginnen. Der Sturz wird später nur in einem kurzen Youtube-Video gezeigt. Denn darum geht es Zhao in dem Film nicht – sondern vielmehr um die Frage, wie es danach weiter geht und was übrig bleibt von dem, was Brady einst ausgemacht hat. Einen großen Teil der Faszination bezieht der Film auch aus der Tatsache, dass die Laiendarsteller tatsächlich ihr eigenes Leben nachspielen. Denn Brady Blackburn heißt in Wirklichkeit Brady Jandreau, und der Sturz, der in diesem Video gezeigt wird, war echt – das war sein eigener Unfall, der ihm fast das Leben gekostet hätte. Auch seine Familie spielt sich selbst. Am dramatischsten wird diese Authentizität greifbar am Schicksal seines Freundes Lane Scott, der (im Film) nach einem Abwurf dermaßen schwer verletzt wurde, dass er nicht mehr sprechen und sich kaum mehr bewegen kann. Die Szenen, wenn Brady seinen alten Kumpel im Pflegeheim besucht, sind innig, warm und echt. Gleichzeitig – und das ist die große Kunst, die hier gezeigt wird – ist „The Rider“ meilenweit davon entfernt, zu einem sentimentalen Rührstück zu verkommen. Mit außergewöhnlicher Sensibilität wird die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der lernen muss, loszulassen, um sich neu zu finden. Man muss wohl etwas Geduld aufbringen für diese stille Weise des Erzählens, doch wenn man sich darauf einlassen kann, ist „The Rider“ ein großer Wurf.

(Dieser Film ist als Reiseetappe # 38 Teil meiner Filmreisechallenge 2018. Mehr darüber hier.)


8,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Luna Filmverleih)

4 Kommentare

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