Galileo’s Thermometer (2018)

Regie: Teresa Villaverde
Original-Titel: O Termómetro de Galileu
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: O Termómetro de Galileu


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Um dem Ganzen vielleicht doch noch einen etwas seriöseren Anstrich zu geben: Teresa Villaverdes Dokumentarfilm „Galileo’s Thermometer“ behandelt einen Besuch der Filmschaffenden bei ihrem Freund, dem Regisseur Tonino De Bernardi, und dessen Frau. Die Kamera lässt sie dabei immer laufen, auch wenn sie gerade mal nur auf den Pullover von De Benardi gerichtet ist. In grobkörnigen und größtenteils verwackelten Bildern werden hier Alltagssituationen eingefangen, Gespräche, Bewegungen, mal wird auch nur der Bildschirm abgefilmt, auf dem ein Film läuft, den sich De Bernardi und seine Frau ansehen. Grundsätzlich kann so etwas ja auch interessant sein, wenn nämlich das Ungewöhnliche und Tiefsinnige im Alltäglichen sichtbar gemacht werden kann. Und in vereinzelten Momenten, wenn sich beispielsweise De Bernardi (der im Übrigen tatsächlich eine interessante und tiefsinnige Persönlichkeit zu sein scheint) in einem intensiven Monolog an den Selbstmord seines Großvaters erinnert, gelingt dies auch. Doch das ist leider viel zu selten der Fall. Und so ist der Film eine unglaublich zähe und größtenteils banale Anhäufung von Alltagsmomenten, die noch dazu durch die verwackelte Kamera noch mühsamer anzusehen sind als sie dies ohnehin wären. Es geht um Erinnerungen, um das, was von uns bleibt, was wir vielleicht auch künftigen Generationen weitergeben können – doch leider ist das filmisch gar allzu schwach umgesetzt. Wenn man bei der ersten Vorstellung des Tages zu Mittag mehrmals Gefahr läuft, einzunicken, dann spricht dies nicht unbedingt für den Film. Und so hat nach dem grandiosen Viennale-Auftakt „Lazzaro Felice“ der zweite Film leider das Feld in die andere Richtung hin abgesteckt.


3,0
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)

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