Young Solitude (2018)

Regie: Claire Simon
Original-Titel: Premières Solitudes
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Dokumentation
IMDB-Link: Premières Solitudes


Das Lycée Romain Rolland ist ein Gymnasium in einer kleinen Stadt außerhalb von Paris. Dorthin hat sich die Filmemacherin Claire Simon begeben, um im Rahmen eines Schulprojekts einen Kurzfilm mit den Schülern zu drehen. Während dieser Arbeit stellte sie allerdings fest, dass sie die persönlichen Geschichten der Schülerinnen und Schüler mehr interessierten als das Filmprojekt selbst. Und so ließ sie ihre Schützlinge in Zweier- und Dreiergruppen über ihre familiären Hintergründe reden. Sie mischte sich nicht ein, sondern ließ lediglich die Kamera laufen – und die Gesprächsführung übernahmen die Gefilmten selbst. Was Claire Simon auf diese Weise sichtbar werden lässt: Die fragilen Familienbeziehungen, die oft in grenzenlose Einsamkeit münden. Altklug, aber dennoch sehr authentisch und persönlich kommentieren die Jugendlichen diese seelischen Verwundungen. Sie spenden einander Trost, sie respektieren einander. All das ist wirklich schön anzusehen und gibt auch Hoffnung in all der Tristesse, die in den Gesprächen zutage gefördert wird. Man spürt: Hier wachsen Menschen heran, die nicht gänzlich heil aus ihrer Jugend herauskommen, aber die ihren Weg gehen werden. Gleichzeitig wirkt aber auch einiges an den Gesprächen durch das spezielle Setting durchaus artifiziell. Es entsteht der Eindruck, dass es kein anderes Thema gibt als jenes der familiären Probleme. Die Jugendlichen selbst setzen dieser Schwere einen guten Kontrapunkt, wenn sie im Anschluss an das tiefsinnige Gespräch lachend die Treppen hinunterhüpfen, und so die Schwere abschütteln. Das tut dem Film gut. Allerdings fragt man sich am Ende dann schon auch, warum das Ganze. Ja, es wird klar, dass es in nahezu jeder Familie Probleme gibt, dass Scheidungen, den Nachwuchs ignorierende Eltern, Lieblosigkeit und materielle Probleme die Kinder belasten. Aber das ist nicht unbedingt etwas bahnbrechend Neues. Und nichts, was den Anspruch einer Ausschließlichkeit erheben kann. Denn Jugendliche haben darüber hinaus auch andere Themen, die sie beschäftigen und/oder belasten. Darauf wird aber überhaupt nicht eingegangen.

 


5,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)

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