Leave No Trace (2018)

Regie: Debra Granik
Original-Titel: Leave No Trace
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Abenteuerfilm
IMDB-Link: Leave No Trace


Als „Fifty Shades of Green“ bezeichnete Regisseurin Debra Granik im Publikumsgespräch augenzwinkernd ihre Kulisse für das stille Drama „Leave No Trace“. Und ja, erst einmal findet sich der Zuseher in einem dichten, unzugänglichen Wald wieder, wo der traumatisierte Kriegsveteran Will (Ben Foster mit einer großartigen Leistung) und seine Tochter Tom (Newcomerin Thomasin McKenzie, von der man nach dieser grandiosen Darstellung wohl noch viel erwarten darf in Zukunft) in einem selbst errichteten Camp mit einfachsten Mitteln überleben. Sie sind Aussteiger, die dieses Einsiedlerleben bewusst gewählt haben. Doch dann werden sie entdeckt und in die Zivilisation zurückgebracht, eine Zivilisation, die es prinzipiell gut mit ihnen meint, mit der aber vor allem Will nicht wirklich zurechtkommt, so sehr er auch versucht, den Anschein zu wahren. Ohne romantisierendem Blick, aber auch ohne erhobenem Zeigefinger in Richtung der bösen Zivilisation, erzählt Debra Granik herrlich unaufgeregt und mitfühlend die Geschichte dieses Vater-Tochter-Gespanns, das aus der isolierten Idylle herausgerissen wird. Die Menschen, auf die sie in weiterer Folge treffen, wollen ihnen nichts Böses – im Gegenteil. Es gibt in diesem Film keinen Antagonisten außer dem inneren Dämon, der einen fortdrängt von den Mitmenschen und vom einfachen, Sicherheit versprechenden Weg – und hinein in die Wälder. Dass Granik diese innere Zerrissenheit nur im Kleinen sichtbar macht, ohne sich allzu sehr mit den Fragen nach dem Woher und dem Warum aufzuhalten, macht den Film umso sympathischer. Man muss nicht immer alles durchanalysieren. Es ist schlimm genug, dass diese Dämonen da sind und man mit ihnen leben muss, und dass sie einen irgendwann vor unliebsame  Entscheidungen und deren Konsequenzen stellen. So verändert sich auch merklich die Dynamik zwischen dem eingespielten Team. Tom emanzipiert sich, beginnt zu hinterfragen, zu träumen, zu sehnen, ohne aber etwas von der Verbundenheit zu ihrem Vater und der Liebe, die sie für ihn empfindet, zu verlieren. „Leave No Trace“ ist unspektakulär, aber psychologisch sehr feinfühlig erzählt. Ein Highlight des Filmjahres, ein Aussteiger-Film, der die Schattenseiten eines solchen Lebens nicht verschweigt, aber auch nicht dramatisiert, und durch seinen Realismus noch lange im Gedächtnis bleibt.


8,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Viennale)

5 Kommentare

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