Aufbruch zum Mond (2018)

Regie: Damien Chazelle
Original-Titel: First Man
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Drama, Historienfilm, Biopic
IMDB-Link: First Man


Nächstes Jahr jährt sich die erste Mondlandung zum 50. Mal. Ihr wisst schon – Neil Armstrong (der Astronaut, nicht der Radfahrer und auch nicht der Trompeter) mit seinem kleinen Hüpfer, den geschätzt fünfhundertfünfzig Fantastilliarden Menschen live vor den Fernsehgeräten verfolgt haben. Wie es dazu gekommen ist, erzählt Damien Chazelle in seinem Biopic „First Man“. Und zwar nicht so, wie es die EAV besungen haben: „Liebste mein, komm steig in mein Flugzeug ein. Dann flieg ich dich zum Mond, wo die Liebe wohnt, und dort wirst du belohnt.“ Nein, das Ganze ist hochgradig seriöser. Chazelle zeigt Armstrong, gespielt von Ryan Gosling, als schweigsamen, introvertierten Mann, der heftig am frühen Verlust seiner Tochter zu nagen hat. Mag sein, dass er zu den Sternen will, weil er dort seiner Tochter näher ist. Mit seiner Frau (Claire Foy) ist er jedenfalls nicht mehr ganz so eng. Klar, jedes Familienleben hat seine Höhen und Tiefen, und immerhin schaffen die beiden es mit ihren verbliebenen Kindern noch, eine Familie zu sein, aber wie will man schon den gemeinsam erlebten Schmerz verarbeiten, wenn sich der eine Part lieber mit einem Fernglas in den Garten stellt und zum Mond hinaufstarrt anstatt über die Probleme zu reden? Irgendwie ist es dann auch gut, dass sich Neil nach einigen halsbrecherischen Versuchsreihen und tragischen Verlusten dann doch 1969 auf den Weg macht. Ein wenig Distanz (in diesem Fall knapp 400.000 Kilometer) hat schon mancher Beziehung gut getan. Das alles ist durchaus solide und handwerklich gekonnt erzählt. Diesbezüglich kann man Chazelle und seinem Team keinen Vorwurf machen. Dennoch zieht sich der Film ein wenig, denn der (bewusst gewählte) Fokus liegt eindeutig auf Neil Armstrong und der Beziehung zu seiner Familie. Kann man machen, keine Frage, aber dadurch bleibt zwangsweise der technische Part der ganzen Mondlandungsvorbereitung zurück. Zwar wird immer wieder ersichtlich, mit welchem Wahnsinnsoptimismus dieses Projekt angegangen wurde und an wie vielen „Sofern alles klappt“ die ganze Operation hing, aber recht viel Neues erfährt man nicht. Mich hätte vor allem eben der technische Kram interessiert (ohne ihn zu verstehen), denn so wird die Leistung des Teams ein wenig in den Schatten gestellt zu Gunsten von Neil Armstrong – sicherlich eine faszinierende Persönlichkeit, aber eben nur ein Rad im Getriebe dieses bahnbrechenden Projekts. So kann „First Man“ meinen hohen Erwartungen, die ich in den Film hatte, nicht ganz gerecht werden, bietet aber dennoch gute Unterhaltung.


6,0
von 10 Kürbissen

3 Kommentare

  1. Ich war anfangs auch etwas irritiert aber der Film war dann einfach so gut und hat mich so in seinen Bann gezogen, dass mir die Ausrichtung nichts mehr ausmachte. Im Nachhinein dachte ich mir dann sowieso, dass es schon einen Grund geben wird weshalb der Film „First Man“ und eben nicht wie im deutschen „Journey to the Moon“ heißt 😉

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, die Ausrichtung ist voll okay – nur war sie nicht ganz das, was mich persönlich am Film interessiert hat. Das hat dann nicht so ganz meinen Geschmack getroffen. Aber der Film ist gut gemacht, und man kann ihn auch ruhig weiterempfehlen.

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