Viennale 2018 – Ein Fazit

Auch wenn ich mir im Verlauf des weiteren Monats noch drei bis vier weitere Filme aus der Retrospektive ansehen, kommt an dieser Stelle nun nach 28 Filmen (und damit gleich vielen wie letztes Jahr um diese Zeit) das alljährliche Viennale-Fazit. Wie immer in Anlehnung an den alten Kaiser: Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.

Was gibt es an Positivem zu vermelden von Eva Sangiorgis erster Viennale?

  • Ein hochseriöses Programm.
  • Sanfte Änderungen, die die Tradition nicht negieren.
  • Der Eröffnungsfilm „Lazzaro Felice“.
  • Das Special zu Roberto Minervini.
  • Die Auswahl des Überraschungsfilms.
  • Die Aufwertung des Filmmuseums als reguläre Spielstätte.
  • Der Dragee-Keksi-Vorrat.
  • Die alljährliche Begeisterung unter Gleichgesinnten.
  • Eva Sangiorgis ansteckendes Lächeln.

Und weniger toll:

  • Ein hochseriöses Programm. (Im nächsten Jahr wieder ein bisserl mehr Spaß, bitte!)
  • Die Auflösung der Trennung zwischen Doku und Spielfilm.
  • Der Anteil weiblicher Regisseure. Auch ohne auf Quoten zu schielen, geht da mehr.
  • Leute, die mit Dragee-Keksi-Sackerl rascheln.
  • Leute, die sich prinzipiell im Kino nicht benehmen können.
  • Dass Eva Sangiorgis ansteckendes Lächeln nicht mir gegolten hat.

Insgesamt also ein durchaus positives Fazit, das Entwicklungspotential für die kommenden Jahre lässt. Ich wäre sehr dafür, zumindest in den Beschreibungen der Filme anzuführen, um welche Form es sich handelt. Dass man alles zusammen ins Hauptprogramm schmeißt, ist nicht das Problem. Aber es ist mühsam, sich aus dem Inhalt selbst zusammenreimen und im Internet nachrecherchieren zu müssen, ob der gezeigte Film ein Dokumentarfilm oder ein Spielfilm (oder was auch immer) ist.

Dass dieses Jahr nicht weniger als sieben Dokumentarfilme in meinem Programm waren, liegt weniger an der fehlenden Trennung zwischen Dokumentationen und Spielfilm, sondern schlicht daran, dass ich in diesem Jahr verstärkt auch Dokumentationen ansehe. Ein Grund dafür ist mein Projekt 50/50, also mein Ziel, am Ende des Jahres genauso viele Filme von Regisseurinnen wie von Regisseuren gesehen zu haben. Und es gibt einfach sehr viele starke Dokumentationen, die von Frauen gedreht wurden.

Nun zu den Filmen. Die meisten Viennale-„Blockbuster“, die ohnehin demnächst ihren regulären Kinostart haben wie „First Man“ von Damien Chazelle, „The House That Jack Built“ von Lars von Trier, „First Reformed“ von Paul Schrader,  der Berlinale-Gewinner „Touch Me Not“ von Adina Pintilie und „The Favourite“ von dem von mir so geliebten Giorgos Lanthimos sowie heimische Produktionen mit Fix-Start im Kino wie „Styx“ von Wolfgang Fischer oder „Joy“ von Subadeh Mortezai habe ich bewusst ausgelassen. Der Rest kann wie folgt zusammengefasst werden (nach meiner völlig subjektiven Einschätzung, der natürlich jederzeit gern vehement widersprochen werden darf):

Herausragend (9,0 oder mehr):
Aufstieg

Ausgezeichnet (8,0 – 8,5):
Leave No Trace
Glücklich wie Lazzaro
Gegen den Strom
Our Time

Sehr gut (7,0 – 7,5):
Diamantino
Stop the Pounding Heart
The Wild Pear Tree
Johnny Doesn’t Live Here Anymore

Gut (6,0 – 6,5):
Low Tide
Ute Bock Superstar
River’s Edge
Carmine Street Guitars
Climax
Cassandro the Exotico!
Outrage
Vox Lux
Museum

Mäßig (5,0 – 5,5):
Angelo
Kino Wien Film
Young Solitude
First Night Nerves
Murder Me, Monster
Immersed Family

Eher schlecht (4,0 – 4,5):
Wild Relatives

Schlecht (3,0 – 3,5):
Galileo’s Thermometer

Zum Vergessen (2,5 oder weniger):
Drift
Die feurigen Schwestern

Insgesamt ein durchaus erfreulicher Jahrgang. Nur, wie gesagt, nächstes Jahr bitte noch ein bisschen mehr Spaß und etwas mehr Frauenpower in den Regiestühlen. Und, falls möglich, für die Interviews mit englischsprachigen Gästen vielleicht mal Moderatorinnen und Moderatoren nehmen, die der englischen Sprache mächtig sind. Das wäre hilfreich, denke ich.

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