The Ballad of Buster Scruggs (2018)

Regie: Joel und Ethan Coen
Original-Titel: The Ballad of Buster Scruggs
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Western, Episodenfilm, Drama
IMDB-Link: The Ballad of Buster Scruggs


Im Grunde haben die Coen-Brüder ja schon immer Western gedreht. „True Grit“ fällt einem als Paradebeispiel dazu ein. Aber auch „No Country for Old Men“ ist ein moderner Western, „O Brother, Where Art Thou?“ ist ein Mississippi-Western, „Inside Llewelyn Davis“ ein Folk-Western, „Fargo“ ist ein Western im Schnee, selbst den Dude aus „The Big Lebowski“ kann man sich eigentlich ganz gut auf einem Pferd feststellen – er trägt halt nur eine Sonnenbrille, ist mächtig verkatert, hat einen White Russian in der Hand und keinen Tau, wie er auf dieses beschissene Pferd gekommen ist. Sagen wir es so: Die Coen-Brüder sind meisterhaft darin, amerikanische Mythen zu inszenieren – und diese im Anschluss daran zu entzaubern. Und nirgendwo haben sie das bislang konsequenter und radikaler gemacht als in „The Ballad of Buster Scruggs“, eine Western-Anthologie mit sechs archetypischen Kurz-Episoden (der Revolverheld, der Bankraub, das karge Leben, der Goldrausch, der Oregon-Trail, die Kutschenfahrt). Mit jedem einzelnen Szenario assoziieren wir sofort ganz prägnante Bilder und Geschichten, wie wir sie aus Hunderten von Western kennen. Genau das wissen die Coen-Brüder natürlich, und spielen sich in weiterer Folge mit dieser Erwartungshaltung. Immer wird sie im Grunde bestätigt, aber es findet sich trotzdem ein Twist drinnen, der uns die alten Geschichten mit neuen Augen erblicken lassen. Und immer sind sie lakonisch bis melancholisch vorgetragen – gewürzt nur mit einer gelegentlichen Prise schwarzem Humor, wie man ihn von den Coens kennt. Realismus ist nicht die Sache der beiden Brüder in diesem Film, aber gerade durch die sarkastische Überhöhung der Helden und Antihelden und deren Geschichten wird sichtbar, worauf der Film tatsächlich abzielt: Die Demaskierung der Western-Mythen. Es war eine verflucht anstrengende, tödliche und bittere Zeit, die die Menschen im Wilden Westen erlebt haben. Auf gelegentliche Lichtschimmer folgte immer wieder die Dunkelheit. Wenn der Dude das gesehen hätte, er hätte wohl nur kurz den Kopf schief gelegt, sich das ganze Drama mit einem schnellen Blick über den Rand der Sonnenbrille angesehen und wäre dann White Russian schlürfend in die entgegengesetzte Richtung davongeritten, dem Sonnenuntergang entgegen und „Fortunate Son“ von Creedence Clearwater Revival im Ohr.


7,5
von 10 Kürbissen

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