Suspiria (2018)

Regie: Luca Guadagnino
Original-Titel: Suspiria
Erscheinungsjahr: 2018
Genre: Horror
IMDB-Link: Suspiria


Dario Argento und Luca Guadagnino haben eines gemeinsam: Das Land, in dem sie geboren wurden. Was sie allerdings nicht unbedingt eint, ist ihr Zugang zu Filmen und die Verarbeitung der Stoffe. Während es Dario Argento so richtig krachen lassen wollte, setzt Guadagnino in der Regel auf leisere Töne. Allein daher konnte man schon sehr gespannt sein auf das Ergebnis von Guadagninos Neuinterpretation von Argentos „Suspiria„. Ein klassisches Remake ist der Film jedenfalls nicht, sondern ein gänzlich eigenständiges Werk – wie es auch zu erwarten war. Da man davon ausging, dass ein Großteil der Kinobesucher das Original von Argento bereits kennt, spart man sich also gleich mal den Aufbau des großen Mysteriums, sondern sagt gleich zu Beginn, was Sache ist. Sofort hat das Unheil ein Gesicht, während Argento seine Zuseher bis zum Finale im Dunkeln ließ. Allerdings ist gerade diese Offenlegung zu Beginn ein schlauer Schachzug, denn dadurch wird einem bewusst, dass man sich nicht in der Sicherheit des Originals wiegen darf. Denn dessen Story wird im Grunde gleich mal mit einem groben Wisch zur Seite geschoben. Nur das Knochengerüst bleibt, und darauf baut Guadagnino nun seine eigene Version der Hölle auf. Diese ist grauer und trister als das Original und spielt im geteilten Berlin. In den Nachrichten dominiert die RAF, über allem liegt ein Gefühl der Unsicherheit und Zukunftsangst. Die von Dakota Johnson famos gespielte Susie Bannion, die neu in diesen Wahnsinn hineinkommt, findet sich aber überraschend schnell zurecht. Ihr Charakter ist ganz anders als die Suzie, die im Original von Jessica Harper gespielt wurde. Hier tritt eine selbstbewusste junge Frau auf, von der man durchaus vermuten kann, dass sie dem Bösen am Ende noch zeigt, was eine Harke ist. Und schon sind die Erwartungen auf einen fulminanten Showdown geweckt. Dass die Neuinterpretation von Guadagnino für mich dennoch hinter dem Original von Argento zurückbleibt, liegt daran, dass sich vieles wie Stückwerk anfühlt. Eben die Einbindung der politischen Hintergründe, die Figur des Psychiaters Dr. Klemperer (übrigens, wer ohne zu googeln errät, wer den spielt, kriegt einen goldenen Ehrenkürbis von mir verliehen), das alles lässt den Film eher ausfransen, als dass es ihn zusammenhält. Und auch über das Ende lässt sich streiten. Immerhin regt der Film damit zu Diskussionen an, und die meiste Zeit seiner 2,5 Stunden Spielzeit ist er auch spannend anzusehen. Er fühlt sich kürzer an, was meist ein gutes Zeichen ist. Auch fährt Guadagnino mit einigen wirklich drastischen Szenen auf, die den Zuseher so richtig leiden lassen. Darauf muss man sich einstellen – denn anders als im gefeierten „Call Me By Your Name„, in dem Guadagnino sein Publikum in einen Traum aus seidigem Pastell gewickelt hat, kommt er hier nun mit der Knochensäge und einem finsteren Blick ums Eck.


6,5
von 10 Kürbissen

(Foto: Polyfilm Verleih)

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